Japanreise Im Herbst 1999 habe ich Japan ein viertes Mal für drei Wochen besucht. |
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Eigentlich war für diesen Herbst eine lange Chinareise geplant. Da sich aber die Gelegenheit ergab, mit einem Kollegen aus dem Japanischkurs nach Japan zu reisen, habe ich diese ergriffen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Zu zweit reisen ist einerseits viel interessanter und andererseits kosten die Unterkünfte in den Hotels (immerhin der grösste Brocken der Kosten) deutlich weniger.
Die Reise war wiederum unbegleitet (vom Lonely Planet mal abgesehen) und die Hotels, Flüge und längeren Zugfahrten allesamt aus der Schweiz vorgebucht. Dies nimmt zwar einen Teil der Flexibilität, vermindert aber den Stress während den Ferien gewaltig, da man immer weiss, wo man schlafen kann...
Immer wieder eine Augenweide: Kenzo Tanges Rathaus, einem der architektonischen Höhepunkte Tokyos. |
Am Donnerstag morgen stehe ich zeitig auf (vor Ferien kann ich selten gut schlafen) und beschäftige mich noch ein bisschen in der Wohnung. Zu tun gibt es eigentlich nichts mehr, da ich den Koffer bereits am letzten Sonntag gepackt hatte und eigentlich alles bereit liegt. Bald darauf breche ich Richtung «Plüsch Bar» auf, wo ich noch mit meinem Freund Jose auf einen Kaffee abgemacht habe. Dies war eigentlich als Sicherheitsmassnahme gedacht, damit ich auf keinen Fall verschlafen sollte - aber natürlich bin ich lange vor ihm dort. Bei Morgenkaffee und -zeitung drückt er mir als Überraschung noch ein Sandwich in die Finger. Das ist selbstverständlich kein normales Schinkensandwich sondern quasi die Edelversion davon: Zwischen den beiden Bagettestücken steckt eine dicke Lage «Jamon Iberico», dem König unter den Schinken. Diese spanische Spezialität stammt von freilaufenden, sich u.a. von Eicheln ernährenden, endemischen «Patta Negra» Schweinen aus der Gegend nördlich von Sevillia. Der Schinken wird an1½ Jahre luftgetrocknet und ist wirklich ein kulinarisches Erlebnis, für ein schnödes Sandwich eigentlich viel zu schade. «Eine nette Geste» denke ich noch, ich würde um dieses Teil aber noch sehr froh sein.
Danach muss ich noch kurz Schuhe kaufen, da mir aufgefallen war, dass ich zwar zwei Paar schwarze Jeans eingepackt hatte, aber überhaupt keine dazu passenden, vorzeigbaren Schuhe mehr besitze. Zwar sollte man dies eigentlich nie tun, da man nicht sicher sein kann, ob die Schuhe angenehm zu tragen sind und neue Schuhe ganz allgemein selten sehr bequem sind. Für grössere Strecken habe ich aber sowieso meine bewährten «Light Hiking Shoes» eingepackt, die neuen Schuhe sollen also eigentlich nur am Abend gut aussehen. Als dies erledigt ist, geht es endgültig Richtung Flughafen, wo ich bereits mit meiner Schwester und natürlich meinem Reisepartner Markus abgemacht habe.
Beim Abschiedskaffee «darf» ich noch einmal die volle Wucht schweizerischer Gastunfreundschaft erleben, da wir offensichtlich die Kellnerin im Flughafenrestaurant bei irgend etwas wichtigem stören. Aber offengestanden geniesse ich dies ein bisschen, da ich genau weiss, dass ich so etwas die nächsten drei Wochen bestimmt nicht mehr erleben werde. Danach müssen wir noch Abschied nehmen und ab geht es durch die Zollkontrolle - die Ferien haben jetzt irgendwie richtig angefangen.
Der Flug mit einer Swissair MD11 (ja, dem Todesflieger) ist eine Zumutung. Es soll Landsleute von mir geben, welche aus Patriotismus und Prinzip immer Swissair fliegen, ich kann aber beim besten Willen nicht verstehen warum. Auf unseren Plätzen angekommen, muss ich als erstes feststellen, dass es weder eine Speise- und Getränkekarte noch einen Entertainment Guide gibt - bei den Musikprogrammen muss man also raten, was es da so zu hören gibt. Auch das Motto von Swissair - The Worlds most refreshing Airline - verstehe ich bald: Die Temperatur im Flieger ist nur was für Pinguine und ohne Pullover sollte man sich da besser nicht reintrauen, auch die Schuhe muss ich bald wieder anziehen, da mir sonst die Zehen abgefroren wären (ob wohl Rainhold Messmer auch Swissair fliegt?). Aber was solls, in «nur» 11½ Stunden ist die Tortur ja zu Ende...
Der Hammer ist aber eindeutig das Abendessen, glücklicherweise die einzige richtige Mahlzeit auf dem Flug. Markus hat das europäische Menu genommen, welches dem Vernehmen nach ja «gut» gewesen sein soll. Ich entscheide mich aber für das japanische: Gemäss Ankündigung soll es Huhn sein - etwas was ich weder bestätigen noch dementieren kann, identifizieren lässt sich das Ding ohne Gaschromatographen nicht. Das einzig gute am Essen ist der Wein, welcher von einem bekannten französischen Unternehmen stammt, von dem ich auch öfters eine Flasche kaufe. Aber kein Problem: Ich kann es getrost stehen lassen und Jose's Sandwich verzehren, danach gibt es noch ein paar schottische «Shortbreads», welche mir meine fürsorgliche Schwester am Flughafen zugesteckt hatte.
Irgendwelche Filme wurden auch noch gezeigt, an den einen kann ich mich noch nicht einmal mehr erinnern und für den zweiten, Notting Hill mit Julia Roberts, nicht wirklich erwärmen. Also versuche ich ohne Erfolg ein bisschen zu schlafen und träume davon, in einem «rotemburo» zu liegen...
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In den Strassenschluchten von Shinjuku eröffnen sich immer wieder neue Perspektiven. |
Nach einer scheinbaren Ewigkeit (es ist in der Zwischenzeit Freitag) leitet der Pilot endlich die Landung ein und wir setzen sicher und pünklich in «Tokyo New International», gemeinhin als Tokyo - Narita bekannt, auf. Nachdem wir unser Gepäck, welches zufälligerweise nicht nach Feuerland geschickt wurde, in Empfang genommen haben, eile ich zur nächstgelegenen Raucherecke - etwas was in Japan in der Zwischenzeit oft schwer zu finden ist. Nachdem ich ein paar Zigaretten gequalmt habe (wovon mir von der ersten wie üblich fast schlecht wird, Rauchen ist wirklich eine dumme Angewohnheit) und Fahrkarten für den Shuttlebus gekauft sind, brechen wir nach kurzer Wartezeit Richtung Tokyo und «Keio Plaza Intercontinental Hotel» auf. Narita liegt bei leichtem Verkehr rund eine Fahrstunde vom Zentrum weg, bis zu unserem Hotel in Shinjuku-West fährt man noch eine weitere halbe Stunde. Dort angekommen ist schnell eingecheckt und wir brechen, da wir den Jetlag so schnell wie möglich loswerden wollen, ohne auszuruhen direkt Richtung Asakusa auf, dem ersten touristischen Ziel dieser Reise.
Im Bahnhof Shinjuku gibt es erst einmal eine kleine Einführung in die japanischen Massenverkehrsmittel. Beim ersten Besuch - ich bin es mir ja in der Zwischenzeit gewohnt und fühle mich dort schon fast zuhause - ist Shinjuku ein beeindruckendes Erlebnis. Dies ist der verkehrsreichste Bahnhof der Welt (täglich steigen dort 2 Millionen Menschen ein, um oder aus) und ist, wie so oft in Japan, über die Jahre organisch gewachsen und alles andere als übersichtlich. Da fallen einem als Informatiker sofort die berühmten Worte des ersten Computeradventures ein: «You're in a maze of twisty little passages, all alike». Dies trifft auf Shinjuku auf jeden Fall ein. Doch der Geniestreich ist eindeutig die Tatsache, dass der ganze Bahnhof aus vielen verschiedenen Ebenen, welche teilweise nur 1.5 Meter auseinanderliegen, besteht. Da kann man etwa mittels einer Rolltreppe oder eben auch zwei anderen auf ein und dieselbe Ebene gelagen - spätestens da verliert man den Überblick und hat meist kaum eine Ahnung, wo man überhaupt ist. Zwar gibt es Pläne (sogar viele verschiedene), diese zeigen einem aber meist nur, dass man am falschen Ort ist und helfen kaum, den richtigen zu finden. Aber es gibt einen Trick: Es ist am einfachsten, sich einfach die Läden und Restaurants zu merken, an denen vorbei oder durch die hindurch man gehen muss, um von einem Ort zum anderen zu gelangen.
Aber die U-Bahn zu finden ist glücklicherweise einfach, der Billettautomat schnell erklärt und der richtige Zug bald gefunden. Als wir am Ziel aus der U-Bahn kommen, hat Regen eingesetzt und ich kaufe mir mal als erstes einen Schirm - diesen sollte ich noch am selben Abend wieder verlieren und glücklicherweise nie mehr benötigen (Schirme sind in Japan aber auch für ein paar Franken an jeder Ecke zu haben, es ist also kein Verlust). Wärend Markus den Tempel betrachtet und ein paar erste Fotos schiesst, besorge ich mir ein Orakelzettelchen. Gemäss diesem, steht einer angenehmen Reise nichts im Weg und es drohen auch sonst keine Katastrophen. Aber es passt: «The black clouds on the moon were cleared up, it get really bright again.». Stimmt: Der Stress im Büro ist erstmals vorbei und ich kann 3 Wochen Ferien geniessen. Ob das mit den versprochenen vielen Nachfahren, die ich haben soll, allerdings auch stimmt, daran wage ich ein bisschen zu zweifeln... Aufwärts geht es aber eindeutig mit Hausbau und Heirat, die im Frühjahr noch «halbes Glück» waren. Dafür stünden die Zeichen jetzt perfekt.
Viel früher als erwartet wird es dunkel: Erst eröffnen wir eine grosse Diskussion, warum dies wohl so sei. Noch Tage später ist dies ein Thema und ich versuche, die Theorie von Markus, dass die geographische Lage damit etwas zu tun habe, mit einer plastischen astronomischen Darstellung (ein Päckchen Zigaretten war die Erde und ein Salzstreuer die Sonne) zu widerlegen. Dabei ist der Grund ein ganz einfacher: Japan kennt keine Sommerzeit!
Bald sind wir mit der U-Bahn wieder im Hotel und wir reservieren in der köstlichen Sushi-Bar des Hotels zwei Plätze. Nachdem wir ein paar erste Postkarten geschrieben und abgegeben haben, geht es schon zum ersten Sushi. Markus kennt bisher nur solche, welche es bei uns zu essen gibt - verglichen mit dem Original (besonders wenn man ein bisschen mehr ausgibt) schlechte Kopien.
Zuerst bestellen wir uns ein Set (die Japaner verstehen sowohl «setto» als auch «course», damit lassen sich in Sushi- oder Yakitoribars die grössten Sprachprobleme umschiffen), ich nehme in weiser Voraussicht erst einmal das kleinere. Dieses ist recht schnell weggeputzt und schon fangen wir mit dem angenehmsten in Sushibars an: Da der Sushikoch (von denen es im Keio Plaza einen pro zwei Gäste gibt!) immer bereit ist, eine neue Bestellung aufzunehmen, kann man sich kreuz und quer durch die Speisekarte essen und immer bestellen, was einem gerade so in den Sinn kommt (und dessen Name man weiss).
Die Speisekarte in Sushibars besteht aus Holztafeln, auf denen die verfügbaren Fische bzw. Meeresfrüchte meist in Hiragana (leider nicht immer) aufgeschrieben sind. Geht etwas aus, wird die Holztafel einfach umgedreht: Was auf der Karte angeschrieben ist, gibt es auch! Da Touristen in Japan zwar selten aber doch dann und wann anzutreffen sind, haben auch viele Sushibars einen in englischer Sprache angeschriebenen Sushi-Guide. Dies ist zwar praktisch, hat aber einen entscheidenden Nachteil: Bei weitem nicht alle verfügbaren Sushis sind verzeichnet, regionale Spezialitäten schon gar nicht! Falls Sie ein Sushi-Fan sind, empfehle ich Ihnen daher, sich vorgängig eine Liste oder ein Büchlein zu organisieren: Gute Buchläden wie Kinokuniya (Tokyo, Osaka) oder Maruzen (Kyoto) haben solche auf Lager.
Aber glücklicherweise weiss ich, worauf ich mich am meisten gefreut habe: Toro. Die fette Bauchpartie ist der beste Teil des Thunfisches und schmeckt vorzüglich, sowohl als Sushi als auch als Sashimi. In der Schweiz ist es leider vollkommen unmöglich, Toro zu essen und daher habe ich was nachzuholen. Weder mich noch Markus (dem der Toro ebenfalls am besten geschmeckt hat) kann der astronomische Preis von mehreren Gängen Toro abschrecken und wir essen, bis wir beide pappsatt sind.
Danach geht es im 47. Stock in die «Polestar» Bar des Hotels. Das Wetter hat in der Zwischenzeit genügend aufgeklärt, so dass wir das spektakuläre Panorama des nächtlichen Tokyo voll geniessen können und ich meinen ersten (aber beileibe nicht letzten) japanischen Whiskey geniessen kann. Nachdem ich Markus noch schnell ins Zimmer begleitet habe (das lästige an Hotels ist, dass man immer nur einen Schlüssel pro Zimmer hat) kehre ich in die Bar zurück und lasse den Abend gemütlich ausklingen. Jetzt bin ich wirklich in Japan angekommen und alle Lasten des heimischen Alltags sind vergessen.
Etwas vom Schönsten der Tempel sind immer wieder die kunstvollen Schnitzereien, welche besonders bei der Verzierung des Dachs auffallen. |
Da wir an diesem Tag erst nach 13:00 in Asakusa sein müssen, können wir uns mit Aufstehen und Frühstücken genug Zeit lassen. Wir beschliessen, vor der Fahrt nach Nikko noch kurz beim Kaiserpalast vorbeizuschauen um diese Touristenattraktion auch «abzuhaken», allerdings macht sich keiner von uns die Mühe, kurz nachzuschauen, wie man denn am besten dorthin fährt. Markus verlässt sich voll auf mich und ich pflege solche Dinge nach dem Motto «immer der Nase nach» anzugehen. Also fahren wir einfach mal los und ich schätze, dass die U-Bahnstation «otemachi» in der Nähe liegen sollte. Als wir dort aussteigen, dämmert es mir langsam, dass es keine gute Idee ist, nur aufgrund einer U-Bahnkarte ein Ziel anzusteuern. Zwar ist es durchaus «in der Nähe», aber nach 20 Minuten herumirren müssen wir feststellen, dass dies wohl nichts wird und die Zeit langsam knapp wird, um in Asakusa den 13:30 Express nach Nikko zu erwischen.
Also machen wir uns auf den Rückweg und laufen die Treppe in die Station Otemachi mit dem Spruch «gerade noch rechtzeitig» herunter. Bald müssen wir aber feststellen, dass die Station sehr weitläufig ist und wir benötigen weitere 10 Minuten um nur zum richtigen Geleise zu gelangen. Nach einer halben Ewigkeit kommt endlich die U-Bahn und wir fahren mit der Tozai bis «nihombashi», wo wir auf die Asakusa Linie umsteigen sollten. Da die Zeit knapp wird, schleppt mich Markus zum ersten Schild, auf dem «asakusa» steht. Als wir in der Bahn sitzen, realisiere ich, dass wir in der Ginza sitzen. Diese fährt wohl ans richtige Ziel, macht aber einen riesigen Umweg, welcher uns jeder Hoffnung beraubt, rechtzeitig anzukommen. Statt 4 Stationen wie die Asakusa, benötigt die Ginza 7 Stationen und entsprechend mehr Zeit. Um 13:35 sind wir dann in Asakusa und können als erstes mal die Reservation umbuchen gehen. Das kostet zwar nicht alle Welt und der nächste Zug fährt bereits 14:00, aber ich habe damit den ersten Zug meines Lebens selbstverschuldet verpasst! Das mir das am zweiten Tag passiert und ich es mir danach fast drei Wochen werde anhören müssen, macht die Sache auch nicht gerade besser.
Aber das Gute daran ist eindeutig, dass ich so noch Zeit habe, auf dem Bahnhof gemütlich eins zu rauchen und Speis und Trank zu organisieren. Bald schon sitzen wir im Zug der Tobu und lassen die Landschaft an uns vorbeiziehen. Einmal mehr lasse ich mir von der Zugbegleiterin sowohl auf Japanisch und Englisch erklären, wann wir genau in «shimoimachi» umsteigen müssen. Dank der besseren Sprachkenntnisse und der Tatsache, dass Markus ein besseres Gedächtnis als ich hat, geht es sehr gut. Nichtsdestotrotz verabschiedet sie sich mit einem «chotto matte kudasai» und kommt nach ein paar Minuten mit einem Zettel zurück, auf dem sie alle Angaben noch einmal in perfektem Englisch niedergeschrieben hat. Einmal mehr zeigt sich, dass die Japaner deutlich besser Englisch können als man auf den ersten Eindruck meinen könnte: Ihre schriftlichen Kenntnisse sind sehr viel besser als die mündlichen.
In Nikko angekommen hat es leicht zu nieseln angefangen. Da wir auch keine Ahnung haben, wo unser Hotel, das «Nikko Green Hotel» sein könnte, setzen wir uns ins Taxi und sind bald da - Nikko ist nicht sonderlich gross. Im Hotel angekommen fällt mir sofort auf, welchen Kontrast dieses ruhige, kleine Hotel zum «Keio Plaza Intercontinental» in Tokyo darstellt. Bald sitzen wir in der Lobby und trinken unseren Begrüssungstee: Dieser ist gesalzen und erinnert eher an eine Gemüsebouillon - solcher Tee ist z.B. in Kyoto eine bekannte Spezialität, woher dieser kam konnte ich trotz aller Sprachkenntnisse nicht wirklich herausfinden.
Im Zimmer selber erwartet uns eine spektakuläre Aussicht auf den Fluss. Auf die berühmte Shinkyo Brücke haben wir einen herrlichen Blick - dumm nur, dass diese zur Zeit wegen Renovationen von einem Baugerüst umgeben ist, welches nicht den kleinsten Blick freigibt. Aber man kann ja nicht immer alles haben und bald schon bin ich Richtung Bad unterwegs: Baden ist eine meiner Lieblingsbeschäftigungen in Japan und in Tokyo gab es keine vernünftige Möglichkeit dazu, entsprechend kann ich es kaum mehr erwarten, endlich wieder im heissen Wasser zu entspannen.
Das o-furo ist nett aber wenig spektakulär, der Hit ist eindeutig das rotemburo. Neben dem angenehmen, mineralhaltigen Wasser, welches sehr entspannend wirkt, glänzt es mit einer hübschen Natursteinumfassung und einem schönen Blick auf die das Hotel auf dieser Seite umgebenden Bäume, welche des Abends (in der Zwischenzeit war es längst dunkle Nacht) sogar dezent ausgeleuchtet werden. Heute bin ich ausnahmsweise früh dran und entsprechend viel Betrieb ist im Bad, wobei auffällt, dass viele junge Leute da sind. Da wir aber das Abendessen für japanische Verhältnisse sehr spät um 20:00 vereinbart haben (etwas was oft gar nicht geht), habe ich mehr Zeit als alle anderen und bald bin ich fast alleine im Bad. Nachdem ich mich genügend entspannt fühle und mir auch die Uhr sagt, dass ich mich langsam aber sicher wieder auf den Rückweg begeben sollte, verlasse ich das Bad.
Aber: «Eile mit Weile» ist einer meiner Lieblingssprüche und für einen gekühlten Tee und eine entspannende Zigarette ist immer Zeit. Im Entspannungsraum treffe ich noch ein paar der Nachzügler, mit denen ich schnell ins Gespräch komme. Die Tatsache, dass sie erstaunlich gutes Englisch sprechen, klärt sich ebenfalls schnell auf: Die beiden leben in Australien und sind zu einem Klassentreffen in Nikko.
Essen wie Gott in Japan? |
Danach geht es mit Markus zum Essen, welches in diesem Hotel nicht auf dem Zimmer sondern im «Speisesaal» serviert wird. Saal ist nicht das richtige Wort: Wie in japanischen Restaurants üblich gibt es Zimmer der verschiedensten Grössen: Vom grossen Esssaal, in dem deutlich hörbar das Schultreffen stattfindet, bis zu den typischen kleinen Tatamizimmern für vier Leute, können Gruppen jegwelcher Grösse untergebracht werden. Das Essen selber ist ein Gedicht: Nicht nur, dass es so schön präsentiert ist, sodass wir beide die Kamera holen um es abzulichten, es schmeckt selbstverständlich auch genausogut wie es aussieht.
Als sich unser Essen dem Ende zuneigt und wir gemütlich zum Saketrinken übergehen - fragen Sie mich nicht, wie oft ich den Kopf zu den «shoji» (Schiebetüren) herausgestreckt und «sumimasen! o-sake o futatsu motte kitte kudasai!» (Entschuldigung! Könnten Sie noch zwei Sake bringen?) gerufen habe - scheint beim Schultreffen der gemütliche Teil angebrochen zu sein. Natürlich wird Karaoke gesungen und bald lernen wir, dass man offensichtlich, je schlechter man singt, dafür um so lauter singt... Den Abschluss bildet eine mit viel Inbrunst aber leider ohne jedes Talent vorgetragener Elvistitel, dessen Sänger es offensichtlich darauf angelegt hat, dass ganz Nikko ihn hört - ich hoffe nur, man hat es nicht bis nach Memphis gehört, der King würde sich im Grab herumdrehen.
Aber die Japaner gehen früh zu Bett und so wird es bald wieder ruhig und wir lassen langsam unseren ersten echt japanischen Abend ausklingen. Als wir gehen, sind wir selbstverständlich die letzten - etwas was einem in Japan recht häufig passiert. Ich mache noch eine kleinen Umweg über das Bad und bald danach schlummere ich im Futon beim beruhigenden Rauschen des Baches ein.
Das süsse Ausschlafen, welches in internationalen Hotels noch möglich war, liegt hier in Nikko nicht mehr drin: Man kann sich überglücklich schätzen, wenn es möglich ist, erst um 9:00 Uhr zu frühstücken, normalerweise ist 8:00 Uhr der letzte mögliche Termin. Beim Frühstück beschliessen wir, dass wir uns trennen: Markus war noch nie in Nikko und möchte sich die Tempel in Ruhe anschauen gehen. Ich dagegen halte mich an unser «Programm», den Besuch des «Festivals der 1000 Krieger». Da dieses erst um 11:00 beginnt, bleibt mir noch viel Zeit um ein bisschen im Zimmer rumzuhängen und das Bad besuchen zu gehen. Als ich schliesslich auschecke, erwartet mich noch eine nette Überraschung: Der Sake geht aufs Haus! Ob dies immer so ist, kann ich jedoch nicht herausfinden (dafür reicht mein Japanisch dann doch wieder nicht), ich kann also nichts versprechen...
Wie ich beim «tosho-gu», dem Haupttempel von Nikko und praktischerweise ganz in der Nähe des Hotels, eintreffe, machen sich die Leute langsam bereit, um sich den Umzug anzusehen. Da ich keinerlei Lust habe, 3 Stunden lang einen guten Platz - den es um diese Zeit noch gäbe - zu reservieren, gehe ich ein bisschen bummeln, mich verpflegen, Souvenirs einkaufen, Tempel anschauen, etc. - was man als Tourist eben so macht. Ausserdem mache ich mir keine Gedanken: Da ich grösser als die meisten Japaner bin, sollte ich auch in den hinteren Rängen genug zu sehen bekommen.
Überall treffe ich auf Gruppen von Statisten, welche sich in prächtigen Kostümen auf den Umzug vorbereiten und bald suche ich mir ein strategisch günstiges Plätzchen, um mir den Umzug anzusehen. Mein Poker, dass ich über die Japaner hinwegsehen kann, geht allerdings nur teilweise auf: An diesem Tag gibt es erstens sehr viele Touristen, zweitens sind diese allesamt Hünen und drittens scheinen sie sich auch alle um mich herum zu versammeln. Aber als der Umzug endlich losgeht sehe ich noch mehr als genug und ich geniesse dieses farbenprächtige Spektakel, welches die Reise eines Tokugawa Shoguns mit seinem ganzen Gefolge nachstellt.
Als es vorbei ist, knurrt mir schon wieder der Magen und ich beschliesse, das im Lonely Planet empfohlene Restaurant aufzusuchen. Irgendwie ahne ich, dass dies eine reine Touristenfalle sein würde, ich möchte es aber auch mal versucht haben. Vor dem Restaurant wird man dann entsprechend auch schon von Schildern in allen Sprachen (inkl. Deutsch) begrüsst und drinnen sind sie ganz offensichtlich den Umgang mit Touristen gewohnt. Der Besuch hat sich gelohnt, da es ganz lustig ist: An den Wänden stecken Hunderte, wenn nicht Tausende von Visitenkarten aus allen Herren Länder und unzählige Touristen haben ihre Eindrücke in ihren Landessprachen hinterlassen. Es ist auch mal etwas anderes, mit Leuten im Restaurant zu sitzen, deren Sprache man spricht und versteht - so ist ein Gespräch deutlich weniger mühsam als sonst. Falls Sie also in Japan mal wieder Lust haben, sich mit jemandem zu unterhalten, kann ein solches Lokal durchaus empfohlen werden, in diesem Fall muss man wegen dem Essen allerdings nicht unbedingt herkommen.
Da sich das Wetter wieder verschlechtert hat (während des Umzugs schien die Sonne) spaziere ich in die Nähe des Bahnhofs und schaue auf die Uhr: Mit Markus habe ich erst in 2½ Stunden abgemacht. Mir ist das aber durchaus recht und bald habe ich ein gemütliches Kaffee gefunden, in dem der Chef den Kaffee höchstpersönlich aufbrüht und der Kuchen hausgemacht ist. Bei zwei Stück «Cheesecake» (also Quarkkuchen), mehreren Kaffees und rund 200 Seiten meines diesjährigen Reisebuchs («Stephen King: The Stand» in der neuen, verlängerten Version) verbringe ich einen gemütlichen Nachmittag.
In Tokyo angelangt bricht Markus Richtung Hotel auf und ich Richtung Kinokuniya Buchladen. Im Gegensatz zum Frühjahr finde ich ihn diesmal recht bald und ich kaufe mir zwei kleine, aber nützliche Helfer: Eine Zusammenfassung der japanischen Grammatik und einen «Kanji Pocket Guide», welcher die 1000 wichtigsten Kanjis enthält. Gerade um letzteres würde ich den Rest der Reise oft sehr froh sein.
Zurück im Hotel, zerbrechen wir uns den Kopf, wo wir noch einen Happen zu essen kriegen (für die Sushibar ist es leider zu spät). Unsere Wahl fällt auf das italienische Restaurant «Los Spacio» im Hotel, da wir beide ziemlich gespannt sind, wie gut europäische Küche in Japan schmeckt. Weder am Essen noch an der Weinkarte gibt es irgendetwas auszusetzen und obwohl ständig präsente, aufmerksame Kellner in einem italienischen Lokal nicht sonderlich authentisch sind, geniessen wir es dennoch. Das beste am Essen ist aber eindeutig der Kaffee: Einen anständigen Expresso zu kriegen, ist normalerweise in Japan eher ein schwieriges Unterfangen...
Natürlich gehe ich anschliessend wieder in die «Pole Star Bar». Bereits beim zweiten Besuch werde ich wiedererkannt und brauche den Whiskey nicht erst zu bestellen: Eine kurze Bestätigung genügt und schon steht ein «Suntory Hibiki» bereit. An diesem Abend misst der Barkeeper nur noch den ersten ab, anschliessend schenkt er «freihändig» und grosszügig nach, etwas was ich mir selbstverständlich gerne gefallen lasse.
Nachdem wir zusammen ausgiebig im Zimmer gefrühstückt haben, zieht Markus alleine los um sich u.a. dem Meji-Schrein anzusehen. Ich dagegen geniesse noch eine Weile die Tatsache, dass Sonntag ist und ich Ferien habe, indem ich faul im Bett liege und vor mich hin döse. Aber irgendwann überkommt mich dann doch das schlechte Gewissen und ich breche mit meiner Kamera bewaffnet auf.
Aber erst habe ich noch etwas zu erledigen. In einem Anflug von geistiger Umnachtung haben wir unseren morgigen Weiterflug nach Okinawa zu einer Unzeit gebucht: 6:30 Uhr ab Haneda! Leicht besorgt gehe ich zur Reception des Hotels und mache mich sprachlich auf das Schlimmste gefasst. Aber ich habe Glück: Die junge Frau, welche sich meiner annimmt, spricht ganz exzellent Englisch und so können wir uns die rund 40 Minuten, die das telefonische Umbuchen dauert, gut unterhalten. Bei der Gelegenheit bucht sie nicht nur den Flug um, sondern rückbestätigt ebenfalls alle anderen Flüge und ich kann mir für den Rückflug noch die Sitzplätze aussuchen (etwas, was wegen unserer recht frühen Buchung in der Schweiz noch nicht möglich war).
Die Oper von Tokyo. |
Danach mache ich eine ausgedehnte Fototour durch die Hochhäuser von Shinjuku-West und stelle immer wieder erstaunt fest, welch spektakulären Ansichten diese jeweilen wieder freigeben. Unter anderem sehe ich mir die neue Oper von Tokyo an, welche in einem Mehrzweckkomplex aus Bürohochhaus und Kulturbetrieb besteht. So vergeht ein gemütlicher Nachmittag bei bestem Wetter und leicht schmerzenden Füssen und bald geht es wieder zurück Richtung Hotel.
Wir haben beide keine Lust mehr auf grosse Exkursionen und machen uns auf den Weg in das nahegelegene NS Gebäude. Nachdem wir uns die Auslagen der dutzenden von Lokalen angeschaut haben, entscheiden wir uns für Sushi in just dem Lokal, in dem ich vor 2½ Jahren meine erste Mahlzeit auf japanischem Boden - soweit man dies über ein Lokal im 29. Stock behaupten kann - gegessen habe. Verändert hat sich in dieser Zeit eigentlich nicht viel, ausser dass die Verständigung in der Zwischenzeit wesentlich besser funktioniert. Einmal mehr stopfen wir uns bis zum geht nicht mehr mit allem, was im Meer vor sich her kreucht und fleucht voll und vergessen dabei auch die Getränke nicht. Sushi & Sashimi sind hier zwar nicht so sensationell wie in der Sushi-Bar des Hotels, dafür aber wesentlich günstiger. Beim Bezahlen laufen meine Japanischkenntnisse zur Höchstform auf: Nicht nur, dass ich in einwandfreiem Japanisch (ich wünschte, meine Lehrerin hätte mich gehört) eine separate Rechnung verlange («betsu-betsu»), ich kann dem Herrn an der Kasse sogar genau sagen, wovon ich wieviel gegessen habe.
Danach trennen sich unsere Wege: Markus macht bereits schlapp und es zieht ihn Richtung Bett. Ich dagegen stürze mich ins reichlich vorhandene Nachtleben von Shinjuku. Dabei kann ich nicht nur die aktuellen Modetrends bei Nippons Jugend «bewundern» (mein Ding ist es nicht, die abgrundtief hässlichen Plateauschuhe sind leider immer noch im Trend) und ein paar Spielsalons aufsuchen, ich sehe mir auch einmal den Rotlichtbezirk von Shinjuku an. Nicht nur, dass es da für jeden «Geschmack» (wirklich für jeden!) etwas gibt, ist es natürlich auch riesengross. Als ich es wieder verlasse, bin ich ziemlich geschafft: Nebst der Lauferei wird man, wenn man als Mann alleine unterwegs ist, ziemlich oft zum Betreten der Etablissments aufgefordert und die angebotenen Dienstleistungen werden recht anschaulich angeboten - Sprachschwierigkeiten gibt es hier auf keinen Fall!
Als ich in der Hotelbar angekommen bin, werde ich bereits wie ein langjähriger Stammgast empfangen. Eigentlich wollte ich nur einen einzigen Whiskey trinken, da sich die Barkeeper aber von der sehr grosszügigen Seite zeigen, werden es dann doch ein paar mehr - wer kann denn schon widerstehen, wenn die Gläser fast aufgefüllt werden? Da am Sonntagabend nicht mehr allzuviel los ist, will das Personal alles von mir wissen und mein Japanisch reicht hier bei weitem nicht mehr aus, aber irgendwie geht es doch. Einer der Barkeeper ist ein Fotoamateur und er zeigt mir die Bilder, welche er vom Hotel aus vom Fuji-san gemacht hat. Leider habe ich den bekanntesten Berg Japans noch nie von Tokyo aus sehen können, jetzt habe ich ihn wenigstens auf Fotos gesehen.
Meiner Schritte schon nicht mehr allzusicher gehe ich endlich zu Bett und falle dort innert Sekunden in einen tiefen Schlaf.
Die Sonne schien, der Strand lud zum Bade... |
Da ich den Flug von 6:30 auf 12:30 umgebucht habe, bleibt uns viel Zeit um zu frühstücken, zu packen und auszuchecken und trotzdem ohne Stress rechtzeitig im Flughafen zu sein. Ich nutze die Zeit noch für einen Abstecher ins Business-Center des Hotels, wo ich in luftiger Höhe und prächtiger Aussicht auf die Metropole noch ein bisschen im Internet surfe und ein paar Mails beantworte. Danach treffe ich mich mit Markus wieder in der Hotelhalle und bald sind wir im Bus Richtung Flughafen unterwegs. Wir sind sogar sehr rechtzeitig: Markus ist ein übervorsichtiger Mensch und so sind wir lockere 1½ Stunden vor Abflug nicht nur in Haneda (was «Flügelfeld» bedeutet), wir haben sogar schon eingecheckt. Auch bei der Gepäckkontrolle gibt es kaum Probleme: Beim Check meines Handgepäcks fällt den sehr aufmerksamen Sicherheitsleuten sofort mein Taschenmesser auf. Erst begutachten sie argwöhnisch die Klingenlänge und fragen sich, ob ich das wohl nur eingepackt hätte um das Flugzeug zu entführen. Aber ich kann sie beruhigen: Als Helvet ist es normal, eines der auch in Japan bestens bekannten Schweizer Armeemessern dabeizuhaben. Damit ist auch diese letzte Hürde umschifft.
Als endlich Boarding-Time ist, macht sich bei uns langsam aber sicher der Hunger bemerkbar und wir freuen uns bereits auf das Essen, welches es an Bord geben wird. Wir kommen aber beide nicht umhin, beim Einsteigen in die 747-400 der Japan Airlines festzustellen, dass die Japaner samt und sonders «o-bento» (also Lunchpakete) dabei haben. Unsere Befürchtungen bewahrheiten sich auch bald: Auf Inlandflügen gibt es überhaupt nichts zu essen, noch nicht einmal Sandwiches werden auf dem 2½ Stundenflug angeboten - da bleibt uns nichts anderes, als ein bisschen den Japanern beim Essen zuzuschauen.
Bereits wärend des Fluges machen sich die ersten Anzeichen, dass Okinawa eine der grössten US-Militärbasen beheimatet, bemerkbar. Unübersehbar ragen riesige Amerikaner aus den Japanern hervor: Nicht nur, dass Amerikaner grundsätzlich schon gross sind (auch verglichen mit Schweizern), diese sind auch Berufssoldaten und man sieht ihnen deutlich an, dass körperliche Kraft bei diesem Beruf wichtig ist. Okinawa war schon seit dem 2. Weltkrieg strategisch wichtig, in der heutigen Welt, in welcher China sich anschickt, zur Supermacht in Asien zu werden, nimmt die Bedeutung von Okinawa weiter zu. Da Japan selber über keine nennenswerte Armee verfügt, sind die Amerikaner als Schutzmacht für Japan nach wie vor unverzichtbar.
Diese Gedanken sind schnell verflogen, als wir hungrig aber sonst ok, in Naha, der Hauptstadt Okinawas, aus dem Flughafen treten und die 30° geniessen. Gemäss unserem Reisebüro könnten wir den Bus nehmen, da wir aber keine Ahnung haben, wo es denn genau ist und auch keine Lust haben, auf der Insel rumzuirren wie einst Robinson und Freitag, nehmen wir das Taxi und auf geht es Richtung «Manza Beach Hotel».
Okinawa ist zwar sehr gut gelegen, die Insel selber kann aber kaum als Tropenparadies bezeichnet werden. Egal wohin das Auge blickt, sieht man entweder Städte (die hier auch nicht anders als im Rest von Japan aussehen) oder militärische Einrichtungen der US-Armee. Aber das kann uns weitgehend egal sein, da unser Hotel auf einer Landzuge gelegen ist und somit zu 330° von Meer umgeben ist. Man kann sich über solche Ressorts streiten, wir geniessen die herrliche Lage und den eigenen Strand aber sehr und erkunden kurz nach dem sehr netten Einchecken (die junge Dame sprach zwar kein Wort Englisch und auch auf Japanisch war kaum Kommunikation möglich, das kompensierte sie aber mit ihrer fröhlichen und charmanten Art locker) die Umgebung des Hotels. Beim Strandshop kaufe ich mir noch schnell eine Badehose, da ich die logistische Meisterleistung zustande gebracht habe, zwar eine von der Schweiz nach Japan mitzuschleppen, die aber im Koffer, welcher schon nach Ibusuki unterwegs ist, zu vergessen.
Ein herrlicher Sonnenuntergang krönt einen entspannenden Tag in Okinawa. |
Danach essen wir in der sehr schönen Lobby des Hotels eine «keki-setto» und einen Fruchtteller (für welche in Japan ausnahmslos astronomische Beträge zu berappen sind). Beim Kaffee beobachten wir eine Schulklasse, die brav in Zweierreihe ins Hotel läuft und ihre Zimmer bezieht. Erst wundern wir uns, dass sich japanische Schulen so etwas leisten können - das «Manza Beach» ist nicht gerade umsonst und zu meiner Schulzeit genügte das Budget für einen Schulausflug gerade für Massenlager in Zivilschutzanlagen oder ähnlich komfortablen Unterkünften. Aber das erstaunlichste ist die schiere Anzahl: Die Reihe hört und hört nicht auf und bis alle an uns vorbeigegangen sind vergehen - im Ernst - über 15 Minuten! Da das Hotel innen offen ist und man von der Lobby alle Stockwerke einsehen kann, können wir auch schön beobachten, wie sich die Schüler langsam aber sicher, Stockwerk um Stockwerk über das ganze Hotel verteilen. Vielleicht hatten Sie als Kind auch so ein Murmelspiel, bei dem man die Kugeln von oben nach unten durchlaufen lassen konnte: Genau so, nur umgekehrt, sah das ganze aus. Später sehe ich auf dem Hotelparkplatz die 8 (!) Busse, welche sie zum Hotel gebracht haben.
Da das Hotel direkt am Meer liegt, gibt es zum Abendessen selbstverständlich wieder Sushi. Einmal mehr ist es absolut köstlich und wir essen einige Dinge, von denen wir zwar nicht genau wissen, was es eigentlich sein soll (eventuell waren es Algen, sicher sind wir allerdings nicht) aber wunderbar schmecken. Danach geniessen wir den herrlich angenehmen Abend an der Poolbar und freuen uns bereits auf den Strand.
Alain G. Barthe, 2001