Alains
Japanreise Wohin geht ein Anime Fan in die Ferien? Natürlich nach Japan! Ich habe dies im Frühjahr '97 mit meiner Schwester zusammen getan. |
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Nach dem
Frühstück mache ich mich auf die Socken, schliesslich sind Animes
in dieser Reise bisher eindeutig zu kurz gekommen und ich muss noch einiges nachholen. Im
Business-Center hilft mir die anwesende Dame ein Kino zu finden, in dem der Evangelion
Movie läuft, wenn ich in die 12:00 Uhr Vorstellung gehe, kann ich es problemlos schaffen
um 15:00 Uhr wieder im Hotel zu sein. Das freut mich einerseits, andererseits bedeutet
dies auch, dass ich keine Zeit mehr für weitere Einkäufe habe. Ich werde wohl bald
wieder nach Japan reisen müssen, um Tonnen von Fanartikeln meiner liebsten Serien kaufen
zu können.
Die wenige Zeit nutze ich noch, um mich ein bisschen im Elektronikviertel
von Osaka umzusehen, bald muss ich aber schon zum Kino hetzen, in dem die Vorstellung bald
anfängt. Der Eintritt ist mit ¥1800 recht happig und ich kaufe noch schnell ein T-Shirt,
heute könnte ich mich ohrfeigen, dass ich das Programm nicht gekauft habe, anbetracht der
astronomischen Fantasiepreise, die heutzutage für das Programm des Nausicaä
Films bezahlt werden, wäre dies eine
lohnende Investition gewesen. Im Kino fällt mir auf, wie unterschiedlich das Publikum
ist: Zwar sind Teenager im Alter von ca. 18 Jahren der Hauptteil des Publikums, ein
siebzigjähriges Ehepaar und eine Mutter mit ihrem vielleicht 5-jährigen Sprössling sind
aber ebenfalls vertreten (es hatte wenig Publikum, erstens war Donnerstag und der Film war
nicht mehr sehr neu). Letzteres finde ich sehr erstaunlich, der Evangelion
Film hat zum Schluss hin einige sehr brutale Szenen, die bei uns nicht unter 18 Jahren
durchgingen, in Japan scheint dies niemanden zu stören, die Mutter am allerwenigsten. Vom
Film verstehe ich natürlich nur Bahnhof, bei dieser Serie, der man selbst mit dem Text
kaum folgen kann, ein ziemliches Problem. Trotzdem ist es schön ein Anime mal auf der grossen Leinwand zu sehen, für mich eine
Premiere. Aber als gemein würde ich die Vorschauen auf das Programm bezeichnen: Als
nächstes laufen nicht nur der neue Slayers Film (wenn ich
mich recht erinnere heisst er «Slayers: Great») sondern auch der neuste Film meiner
Lieblingsserie an: «Tenchi Muyo! Eve in Midsummer». Das
Leben kann manchmal ganz schön grausam sein, jetzt heisst es mindestens ein Jahr warten
bis er bei uns erscheint.
Im Hotel angekommen, steht bereits unsere nächste Führerin bereit. Sie hat allerdings nur die Aufgabe, uns zum Flughafen zu bringen. In Japan ist man äusserst um seine Gäste besorgt, man traut drei erwachsenen Touristen nicht einmal zu, aus einem Hotel, das Teil des Bahnhofs ist, zum Flughafen zu finden (der Rest der Gruppe ist schon morgens um 7:00 Uhr zum Flughafen gefahren, da sie noch nach Taiwan weiterreisen). Mit dem Rapi::t-ß, einem hypermodernen Designerzug der Kansai Linie, fahren wir zum Kansai Flughafen, der eine gute halbe Stunde von Osaka entfernt ist.
Der
Kansai Flughafen ist eines der vielen Wunder moderner Architektur in Japan. Dieser riesige
Airport, auf dem fast ausschliesslich Boeing 747-400 Jumbo-Jets landen und starten, wurde
vollständig ins offene Meer, mehrere Kilometer vor der Küste ins 7 Meter tiefe Wasser
gebaut. Nun sind Flughäfen im Meer an sich nichts spezielles, z.B. Hongkong Kai Tak,
normalerweise werden diese aber in Küstennähe in Untiefen gebaut, Kansai Airport ist
dagegen absolut einmalig und hat die unvorstellbare Summe von 20 Milliarden Franken
gekostet. Der Flughafen selber besteht aus einem einzigen, 1.7 Kilometer langen Gebäude,
das innen ohne jegliche Wände auskommt und aus einer Stützkonstruktion mit Glashaut
besteht. Trotz seiner Grösse ist Kansai der übersichtlichste, angenehmste und
effizienteste Flughafen, den ich bisher gesehen habe: Von der Ankunft bis Fingerdock
vergehen keine 10 Minuten und man muss nur etwa 200 Meter laufen! Verglichen mit dem
endlosen Gelatsche in endlosen Gängen der meisten Flughäfen (inkl. Tokyo-Narita) eine
Wohltat. Unerbittlich zerrinnen die letzten Augenblicke in Japan und vor dem Hintergrund
des Häusermeeres von Kansai, das in mehreren Kilometern Entfernung kaum mehr zu erkennen
ist, wartet bereits ein Airbus 340, der uns aus diesem wunderbaren Land bringt. Im
Flugzeug, als die letzten Fetzen von Okinawa und damit von Japan unter den Wolken
verschwinden, fange ich schon an mich zu fragen, ob ich dies alles wirklich gesehen und
erlebt habe oder ob es doch nur ein Traum war.
Alain G. Barthe, 1997