Japanreise
Frühjahr 2000
Reisebericht (1/4)

Zusammen mit einem guten Freund aus der Firma gings im Frühjahr 2000 für ein fünftes Mal nach Japan

K-500 Shinkansen

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Reisebericht Japan Frühjahr '00

Vorwort

Eines schönen Abends in der Zürcher Vereinigung (einer meiner Stammbars) sassen Andrea, José, Bernd und ich mal wieder wie so oft zusammen und diskutierten über Gott und die Welt, tranken Bier und assen Tapas. Irgendwie kamen ich und Andrea auf die Idee, doch mal zusammen nach Japan zu fahren. Nach ein paar weiteren Bieren fanden wir die Idee immer besser und besser und bald waren wir daran, konkrete Pläne zu schmieden. Die Tour würde mehr oder weniger eine 0-8-15 Standardtour werden, da Andrea Japan ja noch nicht kannte. Für mich ist das zwar nicht das optimale, aber der Vorteil mit einem guten Freund in die Ferien zu fahren, überwiegt diesen kleinen Nachteil bei weitem. Gesagt, getan, schon bald war die Tour geregelt und beim Veranstalter meines Vertrauens gebucht und schon würden wir losfliegen.

1. Tag, Ankunft Tokyo (Donnerstag, 23. März - Freitag, 24. März)

Da der Flug erst am Abend ist, arbeite ich an diesem Tag noch ein bisschen und breche dann direkt vom Büro, dass praktischerweise ganz in der Nähe des Flughafens liegt, zu selbigem auf. Dort habe ich mich mit meiner Schwester und natürlich Andrea verabredet und wir trinken zusammen unser traditionelles Abschiedsbier. Bald geht es weiter zum Check-In, an dem uns ein freundlicher Mitarbeiter damit überrascht, dass unser JAL Flug überbucht sein soll. Aber da wir einigermassen zeitig sind, kriegen wir doch noch einen Platz im Obergeschoss des 747-400 Jumbos.

Nachdem die Formalitäten erledigt sind bleibt uns noch recht viel Zeit übrig. Diese verbringen wir, wie könnte auch anders sein, mit dem Genuss alkoholischer Getränke (um uns auf die hart verdienten Ferien einzustimmen mit Champagner). Irgendwann hören wir dann, dass unser Flug aufgerufen wird (Letzter Aufruf für Japan Airlines Flug Nummer JL452. Bitte begeben Sie sich umgehend zum Gate 23...) und so hetzen wir noch schnell Richtung Duty-Free und dann endlich zum Gate, wo ich noch rasch ein halbes Dutzend Zigaretten rauche als ob es meine letzten wären.

Das Oberdeck des Jumbo-Jets ist zwar etwas eng, da sie in der Touristenklasse natürlich so viele Sitze wie möglich reingequetscht haben, sonst aber ganz gemütlich. Wenn man sich umschaut, bekommt man den Eindruck, in einem Kleinflugzeug zu sitzen, obwohl unter einem nochmals über 300 Leute sitzen - irgendwie seltsam. Der Flug selber verläuft dann völlig unproblematisch. Im Gegensatz zu mir kann Andrea sogar schlafen, während ich mir die kurze Nacht um die Ohren schlage. Bald schon sind wir über der See von Japan und der Kapitän leitet den Sinkflug Richtung Tokyo ein.

Als wir endlich wieder auf festen Boden (soweit man das von Japan behaupten kann) stehen, ist bereits später Nachmittag. Wir haben keine Zeit zu verlieren, da ich bereits von der Schweiz aus im Hotel die Sushibar reserviert habe. Die Einreise- und Zollformalitäten sind schnell erledigt und wir sind schon bald beim Bus, der uns nach Shinshuku in unser Hotel bringt. Aber wie gesagt: Es ist später Nachmittag und die Fahrt verläuft alles andere als rasant. Damit bleibt mir mehr als genügend Zeit, Andrea die Umgebung, die langsam einnachtet, zu erklären und ihm die ersten Tipps zu Japan zu geben. Idealerweise dauert die Fahrt nur eine gute Stunde, meist fast zwei, heute stecken wir aber auf den Stadtautobahnen von Tokyo im dichten Verkehr und so vergehen über drei Stunden, bis wir endlich im Keio Plaza ankommen. Beim Einchecken kläre ich noch schnell ab, ob die Reservation immer noch ok ist (da die Zeit eigentlich schon überschritten ist) und wir es bleiben uns noch ein paar Minuten, uns im Zimmer frisch zu machen und endlich mit den eigentlichen Ferien zu beginnen.

Die Sushibar des Keio Plaza Intercontinental ist wie immer perfekt und schon bald bestellen wir beide uns kreuz und quer durch die Speisekarte und geniessen Andreas erstes richtiges Sushi. Wie auch schon Markus vor ihm, schätzt Andrea die Finessen eines wirklich guten Sushis ebenfalls. Es ist also definitiv nicht so, dass man ein ausgesprochener Spezialist sein muss, um die bessere Qualitität und perfektere Zubereitung von Sushi zu schätzen. Nachdem wir uns pappesatt gegessen haben, brechen wir zur Polestar Bar auf. Leider bleibt uns dort nicht mehr allzuviel Zeit, da sie bereits um 23:00 Uhr schliesst (obwohl Freitag ist!) und eigentlich will ich schon wieder Richtung Zimmer aufbrechen. Andrea scheint von der Reise aber nicht annähernd so geschafft zu sein wie ich und verspürt nicht die geringste Lust, bereits schlafen zu gehen.

Also lasse ich mich überreden Richtung Shinshuku Zentrum zu laufen und uns dort nach einer Bar umzusehen. Zwar kenne ich den Rotlichtbezirk und weiss auch, dass dort ohne Probleme ein Drink (und vieles andere) zu bekommen ist, ich warne ihn aber, dass ich keine Ahnung hätte, wo man um diese Zeit zu normalen Preisen etwas trinken kann. Und tatsächlich sieht die Gegend um den Bahnhof nicht sehr vielversprechend und ziemlich verlassen aus. Aber Tokyo ist nicht umsonst eine Millionenstadt: Nach 100 Metern laufen wir schon an der ersten Bar vorbei und da diese aus unserer Sicht genausogut wie jede andere ist und ausserdem anpreist, bis in den späteren Morgen offen zu haben, stechen wir rein. Die Bar sieht eigentlich sehr gut aus und wir wollen uns schon zur Bar begeben, als uns der Manager aufhält. Irgendetwas scheint ihn sehr zu beunruhigen und er will uns vorderhand nicht an die Bar lassen. Ich glaube ihn bald dahingehend zu verstehen, dass er uns auf eine Cover Charge von ¥500 aufmerksam machen will. Dies macht mich wiederum etwas stutzig: ¥500 sind in einer japanischen Bar wirklich kein Betrag (dafür gibts noch nicht einmal ein Bier) und seine Aufregung scheint mir irgendwie weit übertrieben zu sein. Nach längerem Hin und Her ist es aber endlich mir klar, dass es tatsächlich nur um die Lapalie von ¥500 geht und ihm ist endlich klar, dass wir Gajins es begriffen haben und nicht beim Bezahlen die Polizei rufen werden. Wenn man aber darüber nachdenkt ist es eigentlich ziemlich sympatisch: In den meisten anderen Ländern würde man in der gleichen Situation kaum darauf aufmerksam gemacht und vermutlich mit weit höheren Beträgen ausgenommen.

In der Bar ist zwar nicht viel los, es ist aber eine richtige Bar, wie ich sie liebe: Ruhig, in dunklem Holzdesign und ein kompetenter Barkeeper hinter der Bar. Da die Preise auch recht zivil sind, lassen wir den Abend bei einigen Drinks ausklingen und machen uns gegen drei Uhr morgens auf den Weg zum Hotel. Dort braucht es entsprechend nicht mehr viel und ich schlafe tief und fest.

2. Tag, Nikko (Samstag, 25. März)

Am Morgen erwachen wir recht ausgeschlafen und scheinen beide nicht an Jetlag zu leiden. Glücklicherweise haben ich und Andrea ziemlich kompatible Ansichten, was man an einem Morgen während der Ferien am besten macht: Lange Frühstücken und im Zimmer rumhängen und bloss keinen Stress aufkommen zu lassen. Irgendwann brechen wir aber doch auf und ich zeige Andrea kurz den Asakusa Kannon Tempel bevor es mit der Bahn weiter nach Nikko geht.

Highlights?

Nachdem wir in Tokyo zurück sind, müssen wir beide nach Shinjuku. Andrea will sich nach einer Digitalkamera umschauen und ich habe meinen kaputten Japanischübersetzer, den ich umtauschen oder reparieren lassen will. Da ich mir diesen von der Frau eines Arbeitskollegen habe bringen lassen, habe ich keine Ahnung, in welchem Laden er gekauft wurde. Also stehen wir irgendwann mitten zwischen den vielen Elektronikläden von Shinjuku und mit Blick auf die Tragetasche (die ich im Original mitgebracht habe) frage ich mich, wie in aller Welt ich diesen finden soll. Andrea wirft einen Blick darauf und stellt lapidar fest, dass wir eingentlich vor genau diesem Laden stehen. Soviel zum Thema, wer hier wen durch Japan führt...

Wir trennen uns und Andrea geht sich nach Kameras umsehen und ich suche die richtige Abteilung auf. Ich kratze all mein Japanisch zusammen und erkläre dem Herrn, wo das Problem liegt. Dieser verweist mich an die Reparaturannahme im dritten Stock, fragt aber noch, ob er kurz einen Blick auf das Gerät werfen soll. Also packe ich das Teil aus, er macht einen Handgriff und schon läuft er wieder... Ungläubig starre ich auf das Gerät und bin - als Informatiker - heilfroh, dass niemand, der mich kennt die Szene beobachtet hat (als ich ihm erkläre, welchen Beruf ich ausübe, lachen wir beide herzlich darüber). Zu meiner Endschuldigung muss ich hier aber noch anführen, dass dies bereits der zweite, baugleiche Übersetzer war, der seinen Geist aufgegeben hat. Nachdem ich den ersten noch auseinandergenommen hatte und alle Möglichkeiten, ihn wieder in Betrieb zu setzen nichts gefruchtet hatten, dachte ich bei diesem natürlich, das er genauso kaputt wäre. Da dies nur Tage vor diesen Ferien passierte, hatte ich mir das Gerät nicht mehr weiter angeschaut und dabei nicht bemerkt, dass sich nur der Sicherungshebel  eines Einschubfachs gelöst hatte und das Geräte sich aufgrund einer Sicherungsschaltung nicht mehr einschalten liessen. Mit hochrotem Kopf verlasse ich also das Geschäft mit meinem Übersetzer, den ich 10'000 Kilometer für nichts und wieder nicht mitgenommen habe, und suche Andrea.

Diesen finde ich auch bald wieder und erzähle ihm mein Missgeschick, welches natürlich auch bei ihm für Erheiterung sorgt. Danach schauen wir uns noch ein bisschen nach Kameras um, können aber nichts interessantes finden. In der Zwischenzeit hat leichter Regen eingesetzt und so schlendern wir Richtung NS Gebäude und essen in einem Bierlokal diverse leckere Gerichte wie Yakitori, Nudeln, etc. Danach gehen wir schnurstracks zurück zum Hotel, statten der Bar eine kurze Visite ab und als auf dem Zimmer endlich alle Biere in der Minibar geleert sind, beenden wir diesen Tag.

3. Tag, Tokyo (Sonntag, 26. März)

An diesem Morgen ist das Wetter glücklicherweise wieder bestens und wir geben unser Gepäck nach Kyoto auf (welches für eine solch kurze und einfache Strecke in nur 24 Stunden am Ziel angekommen ist), checken aus und nehmen die U-Bahn Richtung Meji-Schrein. Wie schon Markus im Vorjahr, gefällt Andrea der Meji-Schrein besser als die Pracht in Nikko. Nun ist dies sicher Geschmackssache, der Meji-Schrein mit seinen klaren und einfachen Linien passt wohl eindeutig besser ins typische Bild, welches wir uns von Japan machen.

4. Tag, Kyoto (Montag, 27. März)

5. Tag, Kyoto (Dienstag, 28. März)

6. Tag, Unzen (Mittwoch, 29. März)

7. Tag, Unzen (Donnerstag, 30. März)

8. Tag, Osaka (Freitag, 31. März)

9. Tag, Osaka (Samstag, 1. April)

10. Tag, Rückflug in die Schweiz (Sonntag, 2. April)

Weiter geht es mit Teil 2

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Alain Barthe, 2001