![]() |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Die Tafel beim Einsteigen: Ihre Nummer ist die 3 |
fooNach 3 Stationen können Sie ihren Preis unter der 3 ablesen: ¥220 |
Sollte die hintere Türe eines Busses übrigens verschlossen bleiben, warten Sie auf den nächsten. Dies bedeutet nichts anderes als dass er bereits voll war, Sie können sich aber fast immer darauf verlassen, dass in wenigen Augenblicken ein Entlastungsbus auftaucht. Knifflig sind Busse, die nicht in Englisch angeschrieben sind, da müssen Sie sich einfach auf Ihr Gespür verlassen oder warten bis einer der neueren, für uns verständlich angeschriebenen Modelle kommt.
Die U-Bahn ist fast immer billiger (denken Sie beim Bus daran, dass Sie beim Umsteigen wieder den vollen Betrag zahlen), Busse sind aber natürlich viel interessanter und weisen ein dichteres Netz auf. Ausserdem sind Sie in Bussen meistens der einzige Ausländer und in Vororten, abseits der grossen Tempel und Schreine, werden die Leute Sie aufmerksam beobachten und eventuell sogar ein Gespräch mit Ihnen anfangen, etwas was in den U-Bahnen weniger oft passiert.
Das letzte
Transportmittel innerhalb von Städten sind Taxis. Wenn Sie einen Zettel haben, auf dem
das Ziel in Japanisch (wichtig!) notiert ist, ist Taxifahren sehr einfach, ansonsten so
gut wie unmöglich. Versuchen Sie nie einem Taxifahrer eine Strassenkarte zu zeigen,
selbst wenn Japaner dies tun, werden Sie furchbar nervös, bei einem «gaijin»
(Aussen-Mensch, Ausländer) geraten sie in Panik. Der Grund dafür ist einfach:
Orientierung ist gerade in Tokyo, das kaum Strassennamen kennt und die Häuser nach
Baujahr nummeriert, die Hölle. Dass die Taxifahrer meist vom Land stammen und selber noch
nicht lange in Tokyo wohnen, macht die Sache nicht leichter. Vergessen Sie also nicht vor
dem Verlassen des Hotels einen Zettel mit Ihrem Ziel anfertigen zu lassen, im
Business-Center oder an der Reception wird man Ihnen gerne weiterhelfen. Wenn Sie Staus
vermeiden (Zeit beachten!), sind Taxifahrten recht billig (¥600 für die ersten beiden
Kilometer) und manchmal ganz interessant: Gewisse, meist grössere Taxis haben mitunter
sogar eine Karaoke-Anlange im Fond, wenn Sie also gerne singen oder gar leicht beschwipst
sind ist es ein grosser Spass.
Sollte ein leeres Taxi übrigens mal nicht halten oder gar bei ihrem Anblick weiterfahren, brauchen Sie sich nicht beleidigt zu fühlen: Der Fahrer hatte nur Angst, dass er Sie nicht an den richtigen Ort bringen würde oder dass er mit seinem schlechten Englisch das Gesicht verlieren würde, beides Dinge vor denen sich Japaner fürchten wie der Teufel vor dem Weihwasser.
Obwohl weder ich noch sonstjemand in der Reisegruppe sich je verirrt hat, besteht diese Gefahr in Japan schon. Vergessen Sie nicht, dass es kaum Strassennamen gibt (die wenigen sind allerdings meist Englisch angeschrieben) und dass es ziemlich verzwickt sein kann, nach dem Weg zu fragen. Passieren kann Ihnen aber nichts. Einerseits können Sie nie in «miese» Gegenden geraten (die gibt es in Japan ganz einfach nicht) und zweitens können Sie sich immer an einen der omnipräsenten Polizisten wenden. In Japan gibt es nämlich an jeder grossen Kreuzung und in jedem Häuserblock ein «koban», ein winziges Polizeihäuschen. Diese Polizisten, die übrigens eher sowas wie der gute Quartiergeist sind, um Kriminelle müssen sie sich selten kümmern, sprechen zwar kein Wort Englisch und werden beim Anblick einer «Langnase» (so nennen uns Japaner mitunter auch, natürlich niemals Ihnen gegenüber) leicht nervös, werden Sie aber auf keinen Fall im Stich lassen. Der einfachste Trick ist aber immer eine Visitenkarte (in Japanisch!) des Hotels dabeizuhaben, mit der wird Sie jeder Taxifahrer problemlos nach Hause fahren.
Eines
der wenigen Dinge, die wohl jeder kennt, sind die japanischen Superschnellzüge
«shin-kan-sen» (Neue Haupt-Linie). Auf diesen bereits in den sechziger Jahren erbauten
Linien fahren die weltberühmten «Bullettrains» der JR, der Japan Railroad. Die JR ist
übrigens, wie die meisten öffentlichen Transportmittel, eine private Firma. Auf der
ältesten und wichtigsten Linie, der Tokaido Linie von Tokyo nach Osaka, fährt zur
Stosszeit alle 6 Minuten ein Zug in beide Richtungen: Wenn Sie bei 240km/h im Zug sitzen,
wird ihnen alle 3 Minuten ein Zug mit bis zu 540km/h entgegenkommen! Wenn Sie erst einmal
mit dem Shinkansen gereist sind, werden Sie ob der Effizienz, Präzision und
Zuverlässigkeit dieses Systems staunen. Für mich - ich habe die halbe Kindheit mit
meiner Eisenbahnanlage verbracht - war der Shinkansen auf jeden Fall das beeindruckenste
Erlebnis in Japan. Ich denke, dass nichts Japan besser repräsentiert als ein «Nozomi»,
der mit 270km/h den Fuji-san, den heiligen Berg Japans, umrundet, es ist ein grandioses
Beispiel für die Fähigkeit der Japaner, die Moderne nahtlos mit der Tradition zu
verschmelzen. Unnötig zu sagen, dass eine Fahrt damit ein Muss jeder Japanreise ist.
Es
gibt drei Typen von Shinkansen Zügen auf der Tokaido Linie: Der älteste ist der
«Kodama» (Echo). Diese Züge halten an allen Stationen (daher der Name) und es werden
Züge der Serie 0 eingesetzt, die «nur» 210km/h erreichen. Der üblichste Zug ist der
«Hikari» (Licht), der nur in den grösseren Stationen hält (von Tokyo bis Osaka ca. 8
Mal), für diese Kurse werden überwiegend Züge der Serie 100 eingesetzt die eine
Reisegeschwindigkeit von 240km/h aufweisen. Auf eine Durchschnittsgeschwindigkeit auf der
Strecke Tokyo - Hakata (eine Strecke von exakt 1175.9 km) von 270km/h bringen es die Züge
der Serie 300 die auf den «Nozomi» Kursen zum Einsatz kommen. «Nozomi» heisst Hoffnung
und meint die Hoffnung der Tokyoter Geschäftsleute, nach einem Trip ins 650km entfernte
Osaka noch am selben Abend zur Familie zurückzukehren. Der «Nozomi» hält übrigens auf
dieser Strecke nur gerade in Nagoya. Die neusten Züge der Serie 500 habe ich leider nicht
vor die Kamera bekommen. Dieses ebenfalls auf «Nozomi» Kursen eingesetzte Fahrzeug hat
im Frühjahr '97 den Rekord des TGV von 300km/h eingestellt (dieser erreicht allerdings
bei weitem nicht so traumhafte Durchschnittsgeschwindigkeiten), die Serie 500 ist sogar
für 320km/h ausgelegt.
Haben
Sie sich für einen Zug entschieden, kaufen Sie ein Ticket und eine - separat zu
erwerbende - Reservation. Zwar sind im «Kodoma» und «Hikari» (nicht aber im
«Nozomi») auch nicht reservierte Plätze vorhanden, diese könnten aber durchaus belegt
sein. Die Tickets werden am Automaten gelöst, mit etwas Glück sind diese genügend in
Englisch angeschrieben, so dass Sie sie bedienen können. Da aber eine Fahrt Tokyo-Osaka
ca. ¥12'000 kostet, sollten Sie vorsichtig sein, am einfachsten schreiben Sie ungefähre
Reisezeit und Ziel auf einen Zettel und bemühen einen der immer hilfreichen JR
Angestellten, sie können es sich auch im Hotel aufschreiben lassen. Die Tickets selber
sind in japanischer Sprache geschrieben, beim Shinkansen sind immerhin die Stationen in
Englisch aufgeschrieben. Ein Ticket ist aber eine einfache, und bei der JR standardisierte
Angelegenheit: In der dritten bedruckten Reihe stehen folgende Angaben in der
immergleichen Reihenfolge:

| Reisedatum | Zugsnummer | Abfahrtszeit | Wagen | Reihe | Sitz |
| 4. 11. | 219 | 11:29 | 16 | 5 | A |
Mein Zug (übrigens kein Shinkansen, von dem habe ich leider kein Ticket, das normalerweise eingezogen wird, behalten können. Wenn Sie aber fragen, wird der Beamte Ihnen dieses einmalige Souvenir gerne überlassen, für mich kam diese Einsicht leider zu spät). Ich fuhr also am 11. April um 11:29 ab, der Zug hatte die Nummer 219. Mein Platz befand sich im Wagen 16, in der 5. Sitzreihe und war ein Fensterplatz (A), im Shinkansen sind übrigens A und E Fensterplätze. Am Automaten haben Sie keinen Einfluss darauf, aber wenn Sie die Reservation bei einem Beamten kaufen und nach einem Fensterplatz verlangen (Fenster heisst «mado»), wird er bestimmt Verständnis zeigen und Ihnen einen solchen organisieren. Die Tickets verfallen übrigens, sie sind also nur genau für diesen Zug gültig. Tickets anderer Linien, z.B. der Nankai Linie, die den Flughafen Kansai bei Osaka bedient, sehen übrigens fast gleich aus.
Suchen Sie jetzt das Gleis, beim Shinkansen wiederum ziemlich einfach, da die Destinationen in Englisch angeschrieben sind. Ansonsten können Sie auf die Zugsnummer, die in arabischen Ziffern angeschrieben ist, und die Abfahrtszeit achten (Zeiten werden ausnahmslos in arabischen Ziffern geschrieben). Aber auch die in Kanji angeschriebene Destination lässt sich problemlos mit derjenigen auf dem Ticket vergleichen.
Auf dem Gleis angekommen, werden Sie Schilder mit Nummern bemerken, dies sind die Wagennummern, und Markierungen am Boden, dies ist die Einstiegsstelle. Bei normalen Bahnhöfen, die also nicht Teil des Shinkansen sind, kann es allerdings mitunter knifflig sein, das für Ihren Zug richtige Schild zu finden. Aber dies ist kein Problem, im Zweifelsfall steigen Sie irgendwo ein, während der Fahrt haben Sie genügend Zeit, den Platz zu suchen. Begeben Sie sich also rechtzeitig zur Türe und stehen Sie wie alle anderen in Zweierreihe hinter der Markierung an. Ist der Shinkansen erst einmal angekommen, geht alles blitzschnell: Die Türen bleiben nur gerade 60 Sekunden geöffnet, nach 90 Sekunden fährt der Zug unerbittlich weiter, der Fahrplan hat absoluten Vorrang. Treten Sie übrigens nicht zu nahe an die Bahnsteigkante, die Züge fahren mit für uns unvorstellbaren Tempi ein. Aber der Zug wird pünktlich und an der exakt richtigen Stelle halten, machen Sie sich also keine Sorgen, Sie können den Zug nicht verpassen. Es ist eine absolute Selbstverständlichkeit, dass Ihr Platz frei ist, wenn bereits jemand auf ihm sitzt, haben Sie sich garantiert getäuscht. Sie haben sich vermutlich noch nicht einmal richtig hingesetzt, wenn der Zug bereits wieder auf über 100 km/h beschleunigt und nach wenigen Minuten Vollgas gibt.
Sind Sie in Tokyo eingestiegen, wird als erster ein Schaffner in den Wagen kommen, sich vor den Reisegästen verbeugen und sie herzlich begrüssen, erst dann wird er ihr Ticket kontrollieren und erleichtert feststellen, dass Sie im richtigen Zug und auf dem richtigen Platz sitzen - Japaner sind immer sehr besorgt um das Wohlergehen ihrer Gäste. Bald darauf werden zwei Hostessen den Wagen betreten, sich ebenfalls verbeugen und Sie nocheinmal begrüssen und anschliessend «o-bento», «jusu» (Juice, gemeint sind aber nicht nur Säfte sondern alle Sprudel), «biru» (Bier) «o-cha» (Tee), «kohi» (Kaffee) und «ice-cream» verkaufen. Das O-bento ist mit ¥1000 zwar vergleichsweise teuer, es ist aber auch in ganz Japan sehr berühmt (dazu tragen die hübschen jungen Damen in ihren schmucken Uniformen am meisten bei), reisen Sie also unbedingt zur Mittagszeit. Fehlt ihnen während der Fahrt etwas, können Sie zum doppelstöckigen Speisewagen gehen, im unteren können Sie am Buffet Getränke und Speisen aller Art kaufen und an ihren Platz mitnehmen. Im oberen Stock befindet sich übrigens der «Green Car», die erste Klasse, dort ist auch das Display, das die augenblickliche Geschwindigkeit anzeigt, gehen Sie ruhig kurz rauf.
Bei all diesen Ablenkungen haben Sie vermutlich kaum bemerkt, dass der Zug sich längst aus Tokyo verabschiedet hat und mit voller Geschwindigkeit durch das unendliche Häusermeer der Kanto-Ebene rast. Wenn Sie etwas Glück haben und es nicht zu dunstig bzw. bewölkt ist, steht das nächste Highlight kurz bevor: Die Strecke des Shinkansen umrundet in grossem Bogen den Fuji-san, ein einmaliger Anblick. Verpassen können Sie ihn nicht, auch die Japaner eilen bei seinem Anblick ans Fenster und, sollten Sie es immer noch nicht gemerkt haben, werden diese Sie schon darauf aufmerksam machen. Sollte das Wetter Ihnen nicht gut gesonnen sein, seien Sie nicht allzu entäuscht, einer der Reize des Fuji-san liegt für die Japaner eben gerade in der Tatsache, dass man ihn so selten sieht. Erwarten Sie aber auf keinen Fall eine Postkartenansicht: Über Japan liegt eigentlich immer ein leichter Dunst, gute Fernsicht kann man nur im Winter erwarten.
Haben Sie den Fuji-san (Der bei uns häufig gehörte Name «Fuji-yama» ist übrigens schlicht falsch. Zwar ist es richtig, dass «yama» Berg bedeutet, das Kanji für «yama» wird aber in der chinesischen Lesart «san» ausgesprochen. Da die Kanjis für «Fuji» ebenfalls in der chinesischen Lesart gesprochen werden, passt sich das «yama» an und wird zu «san». Auch die Aussprache bei uns ist oft falsch, der Berg wird Fuschi und nicht Futschi ausgesprochen.) hinter sich gelassen, tauchen Sie sofort wieder ins Häusermeer ab, das man gesehen haben muss, um sich ein Bild seiner Grösse zu machen. In den grossen Ebenen um Tokyo, Yokohama, Kawasaki und Chiba (Kanto-Ebene) und Osaka und Kobe (Kansai-Ebene) leben 2/3 der Bevölkerung Japans, über 80 Millionen Menschen, zumeist in kleinen Einfamilienhäusern mit nur zwei Stockwerken. Das Einerlei der Häuser wird nur durch Industrieanlagen unterbrochen, Sie fahren durch das wirtschaftliche Zentrum der zweitgrössten Wirtschaftsmacht der Welt. Egal ob Toyota, Suzuki, Honda, Nissan, Sony, National/Panasonic, Fujitsu, Toshiba, Sharp und wie sie alle heissen, diese Firmen von Weltruf haben ihre Hauptsitze in Tokyo oder Osaka und die meisten Produktionsanlagen in den grossen Ebenen. Diese Firmen und die schlicht gigantischen Infrastrukturbauten (besonders auffällig sind die alles überragenden Brücken und Sendetürme) dokumentieren das schwindelerregende Wirtschaftwachstum der letzten Jahrzehnte.
Zum Staunen haben Sie allerdings kaum Zeit, nach knapp 3 erlebnisreichen Stunden kommen Sie bereits in Osaka, dem Schwerpunkt der Schwerindustrie, an. Wenn Sie zuhause wieder mit einem unserer normalen Züge durch die aufgeräumten Landschaften bummeln, werden Sie noch oft mit Wehmut an Ihre Fahrt im Shinkansen zurückdenken.
Noch zwei Details zum Schluss: Im Shinkansen, wie in allen japanischen Zügen, gibt es kein Gepäckabteil und auch sonst keinerlei Platz um mehr als eine Phototasche unterzubringen. Individualtouristen haben hier ein echtes Problem, sie haben auch keine Chance das Gepäck irgendwo hin zu stellen: Die Züge pflegen restlos ausgebucht zu sein und es wird keinerlei Platz verschwendet! Ihr Gepäck müssen Sie sich in Ihr nächstes Hotel schicken lassen. Das zweite Detail hat etwas mit gutem Benehmen zu tun: Nach der Fahrt wird von Ihnen erwartet, dass Sie Ihren Müll einpacken und mitnehmen (beim Ausgang gibt es meist einen Müllschlucker), dies selbst dann, wenn Sie in einer Endstation ankommen und bereits die Putzmanschaft auf dem Bahnsteig bereitsteht!
Alain G. Barthe, 1997