Alains Japanreise
Japan für Anfänger

Wohin geht ein Anime Fan in die Ferien? Natürlich nach Japan! Ich habe dies im Frühjahr '97 mit meiner Schwester zusammen getan.

Fuji-san

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Essen und Trinken

Auslage in einem RestaurantUm es vorneweg zu nehmen: Sie können in Japan überall alles bedenkenlos essen und trinken. Eines der Hauptmerkmale der japanischen Küche ist die Frische und hohe Qualität der Zutaten, die mehr oder weniger naturbelassen serviert werden. Ist es bei uns dank kräftiger und reichlicher Sauce problemlos möglich, einem Gast einen nicht mehr ganz frischen Fisch unterzujubeln, ist dies in Japan völlig unmöglich. Auch wenn Sie in den Nachrichten vielleicht von Lebensmittelvergiftungen gehört haben, diese waren durch auch bei uns verbreitete Viren verursacht und konnten sich nur in Grossküchen (Schulen) verbreiten, in solchen werden Sie aber kaum essen. Wasser ist übrigens in ganz Japan Trinkwasser, Sie können also immer aus Wasserhahnen oder Brunnen trinken.

Die Hauptmahlzeit in Japan ist das Abendessen. Dieses wird recht früh (ca. 19:00 Uhr) und gerne auswärts eingenommen. Als Tourist, der kein Japanisch spricht, kann Essen in Japan zwar manchmal etwas kompliziert sein, die Lokale bieten aber für uns einen Riesenvorteil: Fast ausnahmslos sind alle Gerichte und Getränke, die ein Lokal anbietet, in Form erstaunlich echt wirkender Modelle in einem Glaskasten beim Eingang ausgestellt. Die ansonsten fast unüberbrückbaren Sprachprobleme lassen sich also durch simples Zeigen erledigen. Sie können sich übrigens darauf verlassen, dass das Gericht ganz genau so aussehen wird wie das Modell, bis hin zum exakt gleichen Geschirr. Die Preise sind übrigens meist angeschrieben (oft aber nur in Japanisch, es lohnt sich durchaus die Zeichen 0 - 9 auswendig zu lernen), sind sie es nicht, müssen Sie sich auf eine astronomische Rechnung gefasst machen, meiden Sie solche Lokale also besser. Im allgemeinen ist aber Essen in Japan erstaunlich billig und wird Ihr Ferienbudget kaum belasten.

Gefällt Ihnen etwas, stecken Sie einfach ihren Kopf zum Eingang herein, sofort wird sich jemand um Sie kümmern. In Japan wird man, ausser in sehr kleinen Lokalen, an den Tisch gebracht und setzt sich nicht selber hin. Da Sie unschwer als Tourist erkannt werden, wird das Personal von selber mit Ihnen rauskommen um die Bestellung per Fingerzeig aufzunehmen. Anschliessend wird Ihnen ein Tisch angeboten, wenn er Ihnen nicht gefällt, deuten Sie einfach in die Richtung in der Sie lieber sitzen wollen, man wird Sie ohne Probleme verstehen. Die Schuhe zieht man übrigens nur aus, wenn es Tatami-Matten (mit oder ohne Bucht) am Boden hat, dies ist in teuren traditionellen Restaurants die Regel, in westlichen die Ausnahme und in normalen Gaststätten können Sie selber wählen, wo und wie Sie sitzen wollen. Selbstverständlich ist das Sitzen auf Tatamimatten viel japanischer und meines Erachtens viel lustiger. Da ein Essen in einem Restaurant kein formeller Anlass ist, kann man gemütlich im Schneidersitz sitzen, die traditionelle Art auf den Knien zu sitzen ist viel zu unbequem (nicht nur für uns, auch Japaner hassen es wie die Pest). Der Schneidersitz geziemt sich übrigens streng genommen nur für Männer, von Frauen wird eigentlich erwartet, dass sie unbequem auf den Knien sitzen. Beobachten Sie mal eine gemischte japanische Gruppe und Sie werden schnell erkennen, wie tief solche geschlechterspezifische Verhaltensmuster in Japan sitzen: Frauen werden meist zuerst traditionell absitzen, nach einigen Minuten werden sie ihre Beine seitlich abwinkeln, was schon bedeutend bequemer ist, und, wenn eine Bucht zur Verfügung steht, anschliessend gemütlich absitzen. Männer dagegen sitzen von Anfang an bequem ab.

Wenn Sie Platz genommen haben, wird Ihnen auf jeden Fall sofort grüner Tee gereicht, den Sie in beliebigen Mengen erhalten und meist nicht verrechnet wird. Grüner Tee ist Geschmackssache, wenn Sie ihn mögen oder sich zumindest daran gewöhnen, ist dies aber ein Riesenvorteil in Japan, da der grüne Tee, ob heiss oder kalt, omnipräsent ist. Der grüne Tee wird weiter ausnahmslos «schwarz» (oder eben grün), also ohne Zucker oder gar Milch, getrunken. In Hotels wird man Ihnen übrigens, wenn Sie Tee bestellen, fast immer Schwarztee reichen, der meist recht teuer ist. Wenn Sie grünen Tee wollen, müssen Sie mit Nachdruck «nihon o-cha» (Japan Tee) verlangen, Schwarztee heisst übrigens «Kocha» (Roter Tee). Seien Sie aber beim ersten Schluck vorsichtig: Grüner Tee wird meist knapp unter dem Siedepunkt serviert, wenn Sie nicht vorsichtig und laut schlürfend trinken, besteht akute Verbrennungsgefahr.

Das zweite was Sie immer erhalten ist ein Tuch, das je nach Witterung warm oder kalt ist und mit dem Sie sich Gesicht, Mund und Hände reinigen können. Anders als in Chinesischen Restaurants behalten Sie dieses Tuch aber auch als Serviette, es wird weder weggeräumt noch wird man Ihnen nach dem Essen ein zweites bringen.

Kaum haben Sie es benutzt und den ersten Schluck Tee getrunken, steht bereits das Essen auf dem Tisch und mit einem «itadakimas» wünschen Sie Ihren Tischpartnern einen guten Appetit (Prost heisst übrigens «kampai»). Wenn Ihre Bestellung auf dem Tisch Platz findet (der in Japan, wie alles andere auch, nicht übergross ist) wird Ihnen die ganze Mahlzeit, die neben dem Reis auch fast immer eine Suppe enthält, gleichzeitig serviert. In Japan kennt man kaum eine strikte Speisefolge, essen Sie also in der Reihenfolge die Ihnen behagt. Dass dabei die Speisen eventuell kalt werden ist übrigens kein Problem, in Japan kommt das Essen sowieso oft lauwarm auf den Tisch und es ist völlig normal, Speisen auch kalt zu essen. Spätestens jetzt machen Sie auch mit den japanischen Essstäbchen Bekanntschaft. Im Gegensatz zu den Chinesischen sind sie nicht lackiert und werden nur einmal gebraucht, Sie erkennen dies auch daran, dass Sie sie zuerst auseinanderbrechen müssen. Japaner tauchen die Spitzen danach kurz in die Suppe, um das anfänglich unangenehme Gefühl des unbehandelten Holzes zu mildern. Die japanischen Stäbchen sind übrigens einfacher zu handhaben als die Chinesischen, erstens sind sie kürzer und zweitens griffiger, wenn Sie es also gewohnt sind mit Chinesischen umzugehen, werden Sie in Japan keinerlei Schwierigkeiten haben. Wenn Sie mit den Stäbchen übrigens Probleme haben sollten, wird Ihnen das allzeit aufmerksame Personal unaufgefordert Messer und Gabel bringen, oft wird man Sie am Anfang auch fragen ob Ihnen Stäbchen recht sind. Gehen Sie allerdings geschickt zu Werke, werden Ihnen bewundernde Blicke sicher sein. Ganz allgemein werden es Ihnen Japaner hoch anrechnen, wenn Sie sich die Mühe machen, japanische Sitten anzunehmen, egal wie ungeschickt Sie sich anstellen. Und fühlen Sie sich auf keinen Fall beleidigt, wenn Japaner über Sie lachen: Lachen ist in Japan nie böse gemeint und häufig der erste Schritt mit den Leuten ins Gespräch zu kommen - ausserdem lachen Japaner einfach gerne.

Eine echte Herausforderung sind allerdings Buffets, die man oft zum Frühstück antrifft. Viele Speisen werden mit Kochstäbchen auf den eigenen Teller befördert, diese sind sehr lang und lackiert. Dies und die Tatsache, dass Sie meist nur eine Hand frei haben, kann ganz schön knifflig sein. Aber kein Grund zur Verzweiflung oder gar für einen Verzicht auf japanisches Frühstück: Das Personal wird Ihnen gerne helfen. In den von Touristen bevorzugten europäischen oder amerikanischen Buffets werden Sie übrigens nicht auf solche Fallen treffen.

Wenn Ihnen der Tee oder das Bier («biru», einfach nicht wahr?) ausgeht, wird es Ihnen einfach nachgeschenkt, wenn Sie keines mehr wollen, dürfen Sie einfach die Tasse bzw. das Glas nicht leeren. Dies ist bei Bier oder Spirituosen recht wichtig da diese in Japan eher teuer sind. In Lokalen, in denen Ausländer häufiger anzutreffen sind (also primär im Hotel), wird man Sie allerdings fragen. In die Verlegenheit, Personal suchen zu müssen um etwas nachzubestellen (eine in der Schweiz typische Situation), kommt man fast nie. Von dem Moment, an dem Sie das leere Glas abstellen bis Ihnen nachgeschenkt wird, vergehen meist nur wenige Augenblicke, verdursten können Sie auf keinen Fall.

Nach dem Essen nehmen Sie einfach den Zettel bzw. Block, den das Personal meist unauffällig auf, unter oder bei ihrem Tisch plaziert hat, mit und bezahlen Sie an der Kasse, die immer beim Ausgang ist. Wenn Sie den Zettel nicht finden, können Sie auch ohne an die Kasse gehen, da Sie vermutlich der einzige Ausländer sind und auffallen wie ein bunter Hund, weiss das Personal schon, welches Ihr Tisch war. Trinkgeld ist in Japan so gut wie unbekannt und würde die Leute übrigens eher verwirren oder verlegen machen. Lassen Sie auch auf keinen Fall Geld auf dem Tisch liegen, das Personal würde Ihnen, im Glauben Sie hätten es vergessen, hinterherrennen. Die einzige Ausnahme sind Taxifahrer: Wenn dieser Sie besonders nett behandelt und Ihnen noch die Koffer ins Haus bringt, dann können Sie ihm dies mit einem kleinen Trinkgeld vergelten.

Weiter sollten Sie beachten, dass Japaner meist kurz essen und, ganz im Gegensatz zu uns, nach dem Essen ziemlich schnell wieder gehen. Wenn Japaner noch eins trinken wollen, gehen Sie dafür in ein Cafe oder eine Bar, entsprechend schliessen die meisten Lokale bereits um 20:00 oder 21:00 Uhr. Wenn Sie darauf nicht achten, kann es Ihnen leicht passieren, dass Sie auf einmal der einzige Kunde sind und das Personal Sie höflich aber bestimmt auffordert, das Lokal zu verlassen. Versuchen Sie also früh essen zu gehen, am besten vor 19:00 Uhr, denn bereits um 20:00 Uhr sitzen Sie meist mehr oder weniger alleine im Lokal. An den ersten Tagen, wenn für Sie alles noch neu ist, ist dies aber ganz nützlich: Da das Personal viel Zeit hat sich um Sie zu kümmern wird es Sie regelrecht bemuttern.

Aber was essen die Japaner eigentlich? Da bei uns fast nur Sushi bekannt ist (und selbst dies von den wenigsten je probiert wurde), habe ich eine kurze Liste mit den wichtigsten Gerichten zusammengestellt:

Frühstück
Ein japanisches Frühstück sieht immer gleich aus: eine Schale Reis, eine Schale Miso-Suppe, ein bisschen geräucherter Fisch (Achtung, im Gegensatz zu Sushi und Sashimi hat dieser oft viele Gräte) und eingelegtes und frisches Gemüse. Dazu kommen, je nach Gegend und Preisklasse des Lokals, noch zusätzliche Spezialitäten. Auf dem Tisch finden Sie auch immer eine Schale mit unreifen Kirschen, diese werden gerne gegessen und sind äusserst sauer. Abgesehen vom Reis und der Suppe ist das Frühstück kalt. Probieren Sie es ruhig, es ist nahrhaft, äusserst gesund und liegt nicht auf. Wenn Sie nach einer echten Herausforderung Ihrer Stäbchenkunst suchen, schauen Sie übrigens mal einem Japaner zu wie er «nori» mit Reis isst. Nori sind schwarze Blätter, getrocknete und geröstete Algen, die zu jedem Frühstück dazugehören. Wenn Sie es ihm gleichtun können, können Sie sich ruhig als Meister der Stäbchen bezeichnen.
O-bento
O-bento im ShinkansenZu Mittag essen die Japaner, wenn keine Kantine zur Verfügung steht, meist ein «o-bento» (was nichts anderes als «mitgebrachtes Essen» heisst, ein Apfel ist also streng genommen auch «bento»), das sie von zuhause mitgebracht oder unterwegs gekauft haben. O-bento enthält in einer manchmal sehr hübschen Schale mit vielen Unterteilungen immer kalten Reis, Gemüse und Algen, oft ist auch ein bisschen roher Fisch dabei. Diese Gerichte sind immer regional, besonders an den Bahnhöfen werden lokale Spezialitäten angeboten, dort heissen sie «ekiben» (eine Zusammensetzung aus «eki» (Bahnhof) und eben «bento»). Ein sehr beliebter Ort, um O-bento zu essen, sind Pärke. Vergessen Sie nicht auf Ihrem Weg dorthin noch ein Getränk aus den omnipräsenten Automaten zu kaufen, im Park kann es manchmal unmöglich sein, solches zu kaufen. Im Shinkansen wird übrigens ausgezeichnetes O-bento geboten. Lassen Sie sich dieses äusserst japanische Erlebnis nicht entgehen, O-bento zu essen, während sie mit 240 km/h durch das nie abreissende Häusermeer der grossen Ebenen rasen. Denken Sie aber daran, O-bento vor 12:00 Uhr zu kaufen, danach ist es fast unmöglich noch eines zu kaufen (Tipp: Läden wie Lawson, eine Supermarktkette, bieten es zu jeder Tageszeit).
Sushi aus NagoyaSushi
Ohne Zweifel das bekannteste japanische Gericht. Sushi bedeutet «gesäuerter Reis», dieser wird meist mit rohem Fisch aber auch mit Meerfrüchten garniert. Das üblichste ist «nigiri-sushi», kleine Reisklösse die mit einer Scheibe Fisch belegt sind. Ebenfalls sehr beliebt sind «nori-maki», Rollen aus Gemüse (meist Rübe oder Gurke) oder Fisch (Thon), Reis und Algen («nori», daher der Name). In Sushilokalen werden die Sushis vor Ihren Augen frisch zubereitet, diese tauchen Sie in Soyasauce und essen Sie in einem oder zwei Bissen. Einfacher als in normalen Lokalen, in denen Sie dem Koch verständlich machen müssen, welchen Fisch Sie möchten (wenn keine Muster vorhanden sind, ein schwieriges Unterfangen) geht es in Sushi Schnellimbissen, in denen die Sushis auf kleinen Fliessbändern an Ihnen vorbeifahren - ein echtes Vergnügen und erst noch billig. Beim Verlassen schreiben Sie entweder die Anzahl Teller auf oder nehmen diese zur Kasse mit, stehen Sie aber nicht auf, ohne sich zumindest zu merken, wieviele Sie gegessen haben. Meist werden die Teller sofort abgeräumt und Sie könnten an der Kasse echte Probleme kriegen, da natürlich niemand kontrolliert hat, wieviel Sie gegessen haben! Im Zweifelsfall wenden Sie sich an das Personal.
Sashimi
Sashimi ist roher Fisch, im Unterschied zu Sushi diesmal ohne Reis. Sashimi wird meist als Vorspeise gegessen und existiert in allen Preisklassen. Vom «normalen» Thon bis zu Wal wird alles gegessen, letzteres ist aber ein moralisches und finanzielles Problem. Normale Lokale haben aber meist nur einfachere Fische, teure Spezialitäten werden auch nur in entsprechend teuren Lokalen angeboten.
Nudeln (Soba, Udon, Ramen)
Wenig Geld aber mächtig Hunger? Überhaupt kein Problem, ein Topf voll dampfender Nudeln kostet ¥500 - ¥700 (also weniger als 10 Franken), schmeckt köstlich und stillt fast jeden Hunger. Soba sind dünne, grüne Buchweizennudeln (das Grün stammt nicht wie in Italien von Spinat, sondern natürlich vom grünen Tee) während Udon dicke, weisse Weizennudeln sind. Ramen schliesslich stammen ursprünglich aus China und sind dünne Eiernudeln, die in Japan aber viel beliebter sind als in ihrer Heimat. Ramen erkennen Sie an der weissblauen chinesischen Schale, Soba und Udon werden immer in meist erdfarbenen japanischen Schalen serviert. Der Spitzenreiter ist klar die Soba, die in vielen Zubereitungsarten gereicht wird. Eine sehr spezielle, besonders im Sommer zu empfehlende Variante ist «zaru-soba». Die Soba werden kalt serviert (wodurch sie viel mehr Geschmack haben) und vor dem Essen tauchen Sie sie in die Sosse, in die Sie zuerst den «wasabi» (japanischer Meerrettich der sehr scharf sein kann) verrührt haben. Wenn Sie übrigens die sehr beliebten Nudeln in Suppe essen, die häufigste Variante, müssen Sie sich eventuell etwas überwinden: Da sie sehr heiss sind und in der Suppe nicht gerade praktisch zu essen sind, essen die Japaner sie lautschlürfend. Tun Sie es ihnen nach, Kinderstube hin oder her! Grosser Beliebtheit erfreut sich auch «tempura-soba», Soba in Suppe mit einigen Tempura verziert, eine ideale Gelegenheit Tempura zu versuchen. Wenn Sie übrigens in der Auslage eines Restaurants riesige Eier-Omletts sehen, sind dies keine Cholesterinbomben aus 20 Eiern, sondern meist Soba an einer herrlichen Sosse im Ei gebraten («yaki-soba»), es kann aber auch Reis oder Gemüse drin sein.
Yakitori
Yakitori sind kleine Spiesschen aus Huhn und Gemüse (oft Frühlingszwiebeln oder Lauch), die inklusive Sosse auf Holzkohle gegrillt werden, köstlich. Diese kann man auch häufig bei Tempeln an Ständen für wenig Geld kaufen. Viel grösser ist die Auswahl in einem richtigen Yakitori-ya, dort kriegt man neben den «normalen» Yakitori auch eine Unmenge weiterer Produkte des Huhns wie: Tsukune (Fleischbällchen), Tori-kawa (Haut, welche allerdings nicht knusprig ist und mit Zitrone gegessen wird), Tan (Zunge), Hatsu (Herz), Shiro (Magen), Reba (Leber) oder Gatsu (Innereien). 
Tempura
Gemüse und Meerfrüchte werden in eine Art Bierteig getaucht und im Öl gebraten. Dieses ursprünglich aus Portugal stammende Gericht wird in eine spezielle Sosse, in die fein geraffelter weisser Rettich gegeben wird, getunkt. Tempura wird übrigens eigentlich «tenpura» geschrieben, das «n» dabei aber als «m» ausgesprochen.
Sukiyaki und Shabu-Shabu
Sukiyaki ist unter Japanern äusserst beliebt und ist eines der wenigen bekannten Fleischgerichte. Dünne Fleischscheiben werden in einem Eisentopf angebraten und mit einer speziellen Sosse abgelöscht, darin werden zusätzlich Gemüse, Tofu und Glasnudeln («Shirataki») gegart. Die Stückchen werden anschliessend im rohen Ei gewendet und gegessen. Ähnlich ist Shabu-Shabu: Die Zutaten werden aber nicht gebraten sondern in einer Suppe (die anfänglich eher an Wasser erinnert) gekocht, getunkt werden die Stücke in zwei Sossen (eine soyabasierende fürs Gemüse, eine für das Fleisch). In beiden Fällen gibt es aber für unsere Verhältnisse sehr wenig Fleisch und Berge von Gemüse.
Tofu
Tofu wird in Japan fast immer gegessen. Es gibt aber zu unserem Tofu, der dank vegetarischer Küche inzwischen recht verbreitet ist, einen Riesenunterschied: In Japan ist Tofu frisch, d.h. maximal ein Tag alt und feiner (gute Qualität wird mit Seide gefiltert), ein Unterschied wie Tag und Nacht. Der Unterschied ist etwa der zwischen einer Kraft Käsescheiblette und einem Vacherin Mont d'Or, beides mag Käse sein und aus Milch zubereitet, aber damit erschöpfen sich die Gemeinsamkeiten. Ähnlich unserem Milchmann (der zwar selten geworden ist) gibt es in Japan den Tofumann, der täglich durch das Quartier radelt oder fährt und den Leuten frischen Tofu bringt.
Teppan-Yaki
Fisch oder Fleisch mit Bergen von Gemüsen werden am eigenen Tisch - eben dem Teppan - gebruzzelt. In teuren Lokalen erledigt ein Koch dies für Sie. Lassen Sie diese links liegen und suchen Sie sich ein billigeres, dort dürfen Sie nämlich selber kochen: das ist billiger und macht viel mehr Spass. Aus diesen Gründen ist Teppan-Yaki bei Nippons Jugend äusserst beliebt und entsprechend werden diese Lokale mehrheitlich von Jugendlichen frequentiert, eine ideale Gelegenheit mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Werfen Sie einfach alles auf die Platte, Fisch und harte Gemüse wie Rüben («ninjin») zuerst, danach den ganzen Rest. Anschliessend wird das Personal es für Sie mit Wein ablöschen und Sie können mit schmausen beginnen. Haben Sie übrigens keine Angst, wenn Sie nicht recht wissen wie es geht, wird das Personal Ihnen selbstverständlich zur Hand gehen. Dazu können Sie noch zusätzliche Gerichte, z.B. «yaki-soba» bestellen, mit Ei umgebene Soba, die ebenfalls ganz köstlich schmecken. In solchen Lokalen sind Tatamis sehr verbreitet, wenn Ihnen das Sitzen darauf nicht behagt, müssen Sie eventuell ein bisschen suchen bis Sie «westliche» Teppan-Tische finden.
Donburi
Eine grosse Schale mit Reis und Gemüse und obendrauf Fisch oder sonstigen Beilagen, heisst Donburi und ist nebst den schon erwähnten Nudeln ein weiterer reichlicher Sattmacher. Am liebsten mögen die Japaner Aal als Beilage, also «unagi-donburi». Der Aal, eben der «unagi», ist, wie bei uns, geräuchert, wird aber noch einmal kurz aufgekocht und schmeckt entsprechend fein und extrem zart. Der Reis ist hierbei, anders als üblich, gebraten und entsprechend etwas schwieriger zu essen, verlangen Sie einfach einen Löffel.
Kaiseki
Kaiseki bezeichnet kein eigentliches Gericht sondern eine ganz Küche bzw. ein Menu aus traditionellen Gerichten. Kaiseki, dessen Ursprünge in der Teezeremonie zu suchen sind, ist aber mehr als «nur» Essen. Die extrem aufwendige Präsentation und formvollendete Bedienung sind mindestens genauso wichtig. Kaiseki besteht aus mindestens 10 verschiedenen, kleinen Gerichten, je nach Preis können dies aber noch viel mehr sein, welche in meist sehr schönem Geschirr serviert wird. Auf jeden Fall gehören neben Reis und Suppe Sashimi, Tempura, eingelegte Gemüse und gekochter Fisch dazu. Ein guter Ort Kaiseki zu essen ist Kyoto, erkundigen Sie sich aber auf jeden Fall im Voraus nach dem Preis. Kaiseki, welches eindeutig die aufwenigste japanische Küche darstellt, ist niemals billig, kann aber extrem teuer werden.

Achten Sie immer auf das Geschirr, dieses verrät in Japan nämlich die Herkunft des Essens: Lackschalen und erdfarbene, schlichte Töpferwaren deuten auf japanisches Essen, blauweisses, feines Porzellan auf chinesische Küche und flache Teller auf «westliche» Gerichte. Letztere werden übrigens meist mit Messer und Gabel gegessen, Sie müssen also keine Angst haben, dass Sie Spaghetti mit Stäbchen essen müssten!

Sie sehen also, dass Essen in Japan weit mehr als nur roher Fisch ist. In der Wirklichkeit ist das Essen natürlich viel vielfältiger als ich es hier wiedergeben kann, Sie werden staunen wieviele Restaurants es gibt und wieviele verschiedene Gerichte offeriert werden. Obwohl die Preise meist sehr tief sind, wird ihnen ausnahmslos frisches Essen von bester Qualität durch zuvorkommendes, freundliches Personal geboten, «Mampf» werden Sie nie auf dem Teller bzw. in der Schale finden.

Zwei Dinge sollten Sie aber mögen, sonst werden Sie das Essen nicht wirklich geniessen: Reis und Soyasauce. Eine japanische Mahlzeit ohne diese beiden Zutaten ist schlicht undenkbar. Japanischer Reis ist übrigens ziemlich klebrig, was es sehr vereinfacht, ihn mit Stäbchen zu essen, erinnert optisch aber eher an amerikanischen Paraboiled-Reis als an chinesischen. Er wird im Land selber, meist von Kleinbauern, produziert, dementsprechend ist er von hoher Qualität und schmeckt vorzüglich.

Noch ein paar Worte zum Thema Getränke. Zum essen trinkt man - neben dem selbstverständlichen Tee - entweder Bier oder Sake, Wein ist so gut wie unbekannt und wird nur in teuren, westlichen Restaurants angeboten. Bier ist meist einheimisches (also entweder «Kirin», «Asahi», «Sapporo» oder «Suntory») und schmeckt sehr gut. Es ist geschmacklich unseren Lagerbieren sehr ähnlich, wird aber z.B. bei Kirin mit Reis zubereitet. Sake, auch «nihon-shu» (Japan Wein) genannt, ist die grosse Spezialität des Landes. Sake enthält ca. 12%-16% Alkohol, ist entweder herb oder süsslich und wird, je nach Jahreszeit, Wetter und Lust und Laune, kalt oder warm getrunken. Restaurants bieten meist 3 Qualitäten an, wenn Sie einfach Sake bestellen kriegen Sie den billigsten, teureren müssen Sie speziell bestellen. Japanische Geschäftsherren trinken nach dem Essen fast ausnahmslos Whisky, den sie «mizu-wari», das heisst mit Eis und Wasser trinken. Japanischer Whisky hat übrigens einen ausgezeichneten Ruf.

Wenn der Durst Sie unterwegs einholt, sind Sie in Japan im Paradies: Es ist unmöglich in einer Stadt mehr als 100m zu gehen ohne an einem der Tausenden von Getränkeautomaten vorbeizugehen. Für ca. ¥120 können Sie unter 30 (!) Sorten, die hinter Glas ausgestellt sind, auswählen, die meisten Büchsen bzw. Flaschen haben Bilder oder ein paar englische Worte aufgedruckt, so dass Sie raten können, was sie enthalten. Schwieriger wird es bei Tee und Kaffee, der in verschiedensten Varianten angeboten wird. Beachten Sie folgende Regeln: Ist der Preis auf roten Grund gedruckt bzw. über einem roten Balken, ist das Getränk heiss, ansonsten kalt. Grünen Tee erkennen Sie an der sehr japanischen Büchse in Grün, die meist einen Bambusstengel (o.Ä.) und etwas Kalligraphie enthält. Ist der Hintergrund dagegen eher Orange, handelt es sich um gerösteten grünen Tee. Kalter, grüner Tee ist übrigens der klare Renner, ich persönlich habe ihn ebenfalls sehr geschätzt, da er sehr erfrischend ist und, da er keinen Zucker enthält, den Durst sehr nachhaltig löscht. Ca. jeder 20. Automat enthält Bier (in Büchsen zwischen 2 Litern und 1.5 dl!), da hilft nur suchen. Kaffee- und Teeautomaten, bei denen das Getränk in einem Becher serviert wird, sind etwas komplizierter, da es schwierig ist, die richtigen Knöpfe zu drücken. Während Tee und Kaffee meist noch durch Bilder unterschieden werden muss man bei den Optionen raten, meist ist aber der oberste Knopf mit Milch und Zucker, der unterste schwarz. Fast hätte ich es vergessen: Die Automaten akzeptieren die meisten Münzen (meist von ¥5 aufwärts) und oft auch ¥1000 Noten, Kleingeld geben sie selbstverständlich zurück und funktionieren immer tadellos. Wenn auf einem Knopf eine Lampe leuchtet, bevor Sie Geld eingeworfen haben, ist dieses Getränk ausgegangen, nach dem Geldeinwurf leuchten diejenigen Knöpfe, die Sie für den jeweiligen Betrag wählen können.

Weiter geht es mit Teil 5

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Alain G. Barthe, 1997