Alains
Japanreise Wohin geht ein Anime Fan in die Ferien? Natürlich nach Japan! Ich habe dies im Frühjahr '97 mit meiner Schwester zusammen getan. |
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Die Sprache ist eine ziemliche Herausforderung. Dies liegt nicht nur daran, dass die wenigsten in unseren Breiten Japanisch sprechen, sondern auch daran, dass die Japaner kaum ein Wort Englisch verstehen. Die Sprache beherrschen sie wohl (Japan hat ein ausgezeichnetes Bildungswesen und die meisten haben 6 Jahre Englisch gelernt), das Problem liegt nur darin, dass ihre Aussprache katastrophal ist und sie im Sprechen kaum Übung haben, entsprechend verstehen sie auch uns nicht (fragen Sie mal nach einem «MacDonalds», man wird Sie nicht verstehen, fragen Sie dagegen nach einem «Maku Donarudo» ist sofort alles klar). Hilft alle Geduld und klare Aussprache nichts, müssen Sie Ihr Anliegen halt aufschreiben. Tun Sie dies in möglichst klaren Blockbuchstaben (vergessen Sie nicht, den Japanern ist unsere lateinische Schrift nicht sehr geläufig), wird man Sie höchstwahrscheinlich problemlos verstehen. Wenden Sie sich nach Möglichkeit an jüngere Leute, am besten Mittelschüler (einfach an ihrer Uniform und ihrem Alter erkennbar), diese sprechen meist ein passables Englisch. Neben der Sprache ist übrigens auch die Scheu der Japaner und die Angst, mit ihrem schlechten Englisch das Gesicht zu verlieren, eine Riesenhürde. Viele könnten eigentlich ganz gut Englisch sprechen, sind dann aber so gehemmt und nervös, dass nichts mehr geht. Auch hier haben jüngere Leute und besonders Frauen deutlich weniger Probleme.
Schwierig ist es auch, ein paar Brocken Japanisch zu benutzen: Die Japaner rechnen einfach nicht damit, dass wir Japanisch sprechen und versuchen unser Kauderwelsch als Englisch zu interpretieren. Haben sie allerdings erst einmal begriffen, dass es Japanisch ist, verstehen sie es sofort und haben eine Riesenfreude, dass ein Ausländer einen japanischen Satz kennt.
Ich empfehle Ihnen sich mindestens diese 15 Zeichen bzw. Kanjis zu merken:
| 1 (ichi) |
6 (roku) |
Yen (¥) (en) |
|||
| 2 (ni) |
7 (nana / shichi) |
Frau (onna) |
|||
| 3 (san) |
8 (hachi) |
Mann (otoko) |
|||
| 4 (yon / shi) |
9 (kyu / ku) |
Eingang (iriguchi) |
|||
| 5 (go) |
0 (zero / rei) |
Ausgang (deguchi) |
Diese wenigen Zeichen können sehr nützlich sein, egal ob Sie den Ausgang aus einem unübersichtlichen Bahnhof wie der Shinjuku Station in Tokyo oder auch nur die (richtige) Toilette suchen! Sehen Sie z.B. vor einem Gericht die folgende Tafel:
wissen Sie dies nun problemlos als ¥2600 zu deuten. Für diesen Betrag (ca. 30.-- Franken) können Sie ein sehr gutes Abendessen erwarten. Wenn Sie übrigens Kleinigkeiten wie etwa Esswaren (z.B. Yakitori), die an Ständen meist nicht in arabischen Zahlen angeschrieben sind, mit dem genauen Betrag bezahlen, werden die Japaner aus dem Staunen nicht herauskommen und Ihnen ein besonders gutes Stück heraussuchen.
Weiter merken Sie sich die wichtigsten Phrasen (Buchstaben die nicht fett geschrieben sind werden nicht ausgesprochen):
| hai / iie | Ja / Nein (hört man in Japan selten) |
| arigato gozaimasu / domo arigato gozaimasu / dozo | Danke / Vielen herzlichen Dank / Bitte |
| sumimasen / dozo | Verzeihung (um Aufmerksamkeit bitten) |
| gomen nasai / kamai-masen | Entschuldigung / Macht doch nichts |
| ohaio gozaimasu / konnichiwa / konbanwa | Guten Morgen / Guten Tag / Guten Abend |
| sayonara | Auf Wiedersehen |
| ? o kudasai | Ein ? bitte, z.B. «biru o-kudasai» um ein Bier zu bestellen |
| kore o onegai shimasu | Dieses möchte ich haben |
| watashi wa suisu / doitsu desu | Ich bin Schweizer / Deutscher |
Das mag wenig erscheinen, aber die Japaner würdigen unsere noch so ungeschickten Versuche, etwas in Japanisch zu sagen, durchaus. Auf ein Gericht zu zeigen und «kore o onegai shimasu» zu sagen genügt völlig, um noch freundlicher als sowieso schon bedient zu werden und mit Lob ob Ihrem guten Japanisch überschüttet zu werden. Wenn man sich nach dem Zahlen noch mit «sayonara» verabschiedet, werden Ihre Gastgeber bestimmt vor Freude strahlen und Sie als wohlerzogenen und höflichen Gast in guter Erinnerung behalten.
Herr und Frau heisst übrigens «-san», ich und meine Schwester wurden also beide mit «Barthe-san» angeredet. Ein Unterschied zu unserem Herr oder Frau liegt allerdings darin, dass «-san» (wie alle anderen Anhängsel) nur für andere, nie für sich selber gelten. Wenn Sie sich vorstellen wollen, sind Sie also einfach der «Müller», nicht der «Müller-san», etwa so: «Watakushi no namae wa Müller desu» oder kürzer «Watakushi wa Müller desu».
Sollte Ihnen ein Japaner eine Visitenkarte, die er meist auch in Englisch vorrätig hat, überreichen, fragen Sie ungeniert welches der Vorname und welches der Nachname ist. Jemanden beim Vornamen anzusprechen ist eine grobe Unhöflichkeit, selbst bei einem Ausländer! Es wird aber niemand von Ihnen erwarten, dass Sie wissen, welches der Familienname ist, entsprechend ist es normal, dass Sie fragen. Regeln gibt es übrigens kaum, einzig die Endung «ko» weist einen Namen fast 100%ig als Frauenvornamen aus (Keiko, Yoshiko oder Masako sind ein paar Beispiele), die einzige Ausnahme ist Kaneko, ein Familienname - heute ist es allerdings in Mode gekommen das «ko» wegzulassen. Weiter weisen «-ta» bzw. «-da», «-moto», «-yama», «-no» und «-bayashi» auf Familiennamen hin. Fragen Sie aber immer, wenn Sie nicht 100% sicher sind. Übrigens kennen Sie vermutlich mehr japanische Familiennamen als ihnen bewusst wäre, so z.B. Honda, Suzuki oder Mitsubishi.
Aber auch wenn man Sie nicht versteht, die Japaner kompensieren dies durch Hilfsbereitschaft und Geduld. Wenn Sie nach dem Weg zu einem Tempel fragen und die Verständigung nicht klappt, werden Sie vermutlich den Japaner stehen lassen müssen und nicht umgekehrt!
Alain G. Barthe, 1997